Zwei Jahre und sieben Monate Freiheitsstrafe lautet das Urteil für einen 33-jährigen Mann aus Forchheim . Das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg sah es als erwiesen an, dass er in der zweiten Jahreshälfte 2019 alleine oder mit Komplizen E-Bikes und Mountainbikes und andere Gegenstände gestohlen hatte und als Hehler aktiv geworden war. Die Tatorte lagen in Bamberg, Forchheim und Erlangen.

Nicht mehr ins Gefängnis, dafür eine Therapie: Schon von der ersten Minute des Prozesses an hat Nicole Obert auf dieses Ergebnis hingearbeitet. Schließlich sei es nicht damit getan, dass der Täter in eine Zelle wandere und nach der Haft wieder damit beginne, Rauschgift zu nehmen. Die Rechtsanwältin aus Nürnberg möchte ihm und seiner Umgebung eine Wiederholung der Diebstähle ersparen.

Crystal Meth kostet rund 100 Euro pro Gramm. Das konnte sich der Angeklagte nie wirklich leisten, obwohl er stets arbeitete und gutes Geld mit nach Hause brachte. Das weiße Pulver aber lockte. Deshalb zahlte er einige Monate lang auch weniger oder gar keinen Unterhalt für seine beiden kleinen Kinder. Auch diese Straftat wurde in das Urteil miteinbezogen. "Ich hatte durch das Crystal Ärger mit meiner Frau, mit der Familie, mit dem Arbeitgeber und der Justiz", gestand er selbstkritisch ein. Sein Eigenheim ist weg, er ist in die Insolvenz gerutscht. Er wolle wieder der Mensch von früher sein, als er noch kein Rauschgift genommen hätte.

Dem Vorsitzenden Richter Matthias Bachmann und seinen Schöffen gegenüber gab er zu, mehrere E-Bikes und Mountainbikes in Bamberg, Erlangen und Forchheim gestohlen zu haben, entweder alleine oder mit einem Brüderpaar aus dem Landkreis Bamberg. Beide hat man juristisch bereits aus dem Verkehr gezogen.

Zudem baute und lackierte er die Fahrzeuge so um, dass sie wieder auf den Markt geworfen werden konnten, ohne sofort als Diebesgut aufzufallen. Seinen Anteil an der Beute nutzte der Angeklagte , um sich Drogen zu besorgen. Mitunter bekam er diese auch im Tausch gegen seine kriminellen Dienste.

Schlimme Abhängigkeit

Wie schlimm die Abhängigkeit war und immer noch ist, zeigte sich bei seinem letzten Prozess, als er kurz vor der Verhandlung "eine letzte Nase" nahm, um sich zu beruhigen. Damals ging es darum, dass er einem 21-jährigen Mann nachts in einem Schnellrestaurant so heftig gegen ein Ohr geschlagen hatte, dass dieser einen immer noch andauernden Hörschaden davontrug. Auch dieser Fall findet sich im Urteil wieder.

Dass es nicht noch höher ausfiel, lag daran, dass mehrere E-Bikes bei Verkehrskontrollen und Hausdurchsuchungen gefunden und zurückgegeben werden konnten. Auch ein Stehpaddel-Brett, das auf einem Campingplatz in Bamberg abhanden kam, kehrte dorthin zurück. Da der Mann bereits acht Monate in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth gesessen hat, bleiben weniger als zwei Jahre Freiheitsstrafe übrig. Das ermöglicht eine Zurückstellung der Strafvollstreckung. Der Mann muss dann nicht mehr ins Gefängnis, sondern kann eine sechsmonatige Therapie antreten. Sonst drohten erneute Straftaten ähnlicher Kategorie, erläuterte der psychiatrische Sachverständige Timucin Türker aus Nürnberg.

In dieser Behandlung soll der Verurteilte seine Drogensucht bekämpfen, wegen der er all die Straftaten begangen hat - darunter auch einen Einbruch in einen Rohbau in Bamberg, um allerlei Werkzeuge mitgehen zu lassen. Dieser Zusammenhang von Sucht und Straftat ist eine der Voraussetzungen für die Unterbringung im Bezirksklinikum Hochstadt am Main. Sollte der Mann mit dieser Reha-Maßnahme erfolgreich sein, kann die restliche Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

"Natürlich nur mit Auflagen und Weisungen wie einem Drogenkonsumverbot, das durch Screenings von Haar- und Urinproben überprüft werden wird", erklärte Richter Bachmann. Sollte die Behandlung fehlschlagen, dann werde der Mann sich hinter Gittern wiederfinden.