Seit über einhundert Jahren haben sie Reuth bekanntgemacht. Mit ihren goldenen Stimmen haben sie viele Freunde gewonnen: die Reuther Sänger . Jetzt wird der Männergesangverein Eintracht Reuth 110 Jahre alt.

Das Programm der Jubiläumsfeier war bereits geplant – dann kam Corona. „Zunächst liegt nun alles erst einmal auf Eis“, berichtet Vorsitzender Michael Schuster. Ein Sängerfest für Reuth sollte es werden mit einem Festkonzert in der Schulturnhalle und einem Herbstkonzert. In dieser schwierigen Zeit vermisst sein Stellvertreter Jonas Stirnweiß vor allem die Chorproben und das gesellige Miteinander: „Es fehlt uns allen sehr.“

Der Männergesangverein wurde zu einem Aushängeschild im Landkreis Forchheim. Dass der Männerchor einmal derart populär werden würde, hatte bei seiner Gründung 1911 wohl niemand geahnt. Es war der Beginn einer Ära, die bis heute geprägt ist von der Liebe zu Musik und Gesang . Blickt man in die Vereinsgeschichte, zeigt diese auf, dass es immer wieder Männer gab, die mit Begeisterung und ehrenamtlichem Engagement Verantwortung für den Verein übernommen haben.

Mit dem Flügelhorn angestimmt

Einige „aufgeschlossene und vom Gesang und Musik begeisterte Reuther Bürger verspürten das innere Bedürfnis zum gemeinsamen Singen“ – so steht es in der Vereinschronik. Schon zwei Jahre später, 1913, gaben sie der inzwischen auf 30 Männer angewachsenen Sängerschar den Namen „ Gesangverein Eintracht“. In Johann Georg Amon fand man den ersten Vorsitzenden und in Andreas Erlwein aus Wiesenthau den ersten Dirigenten , der die Lieder mit seinem Flügelhorn anstimmte.

Der Elan, den die damaligen Reuther Sänger in den Gesangsabenden und nach Abzahlung des angeschafften Klaviers an den Tag legten, sollte sich fortsetzen, auch wenn zwischendurch der Verein einmal kurz vor der Auflösung stand oder das Vereinsleben kriegsbedingt ruhen musste. Im September 1939 schrieb Josef Schuster ins Schriftführerbuch: „Statt Gesang der Vereine klingt das Lied der marschierenden Soldaten.“

Doch immer wieder gab es Vereinsmitglieder, die sich auch in schwierigen Zeiten einbrachten. So gab es nach dem Krieg einen überwältigenden Neubeginn mit 35 Sängern . Der erste große Höhepunkt fand 1951 statt: das 40. Gründungsfest mit Fahnenweihe. 23 Gastchöre beteiligten sich an einem großen Festkonzert. Dirigent war seinerzeit Alfons Ammon.

Zehn Jahre später, 1961, wurde das 50-Jährige gefeiert und 1986 das 75-Jährige, bei dem 64 Sänger im Jubiläumskonzert auftraten. Während dieser Jahre wurde das Auerbergfest eingeführt, das seither einen festen Platz im Veranstaltungskalender der „Eintracht“ hat. Auch freundschaftlichen Bande zum Coro Bianche Zime aus Rovereto/Italien wurden geknüpft. Einen besonderen Höhepunkt gab es 1991, als Alfons Ammon zum Ehrenchorleiter ernannt wurde – der bisher einzige im Verein. Seinen Dirigentenstab hatte er an den stellvertretenden Kreischorleiter Gerhard Kauffer aus Ebermannstadt weitergereicht, der bald das Leistungspotenzial im Chor erkannte und ihn zu einem „Leistungschor“ formte.

Von Erfolg zu Erfolg

In den folgenden Jahren sangen sich die Reuther Sänger von Erfolg zu Erfolg und ein Höhepunkt jagte den anderen. Nur einiges aufgezählt: Seit 1990 durften sie sich „Leistungschor im Fränkischen Sängerbund “ und seit 1992 „Kulturpreisträger des Landkreises Forchheim“ nennen. Große Auftritte standen bevor, als Kreischorleiter Udo Reinhart den Taktstock übernahm. Der Leistungschor stieg von der Stufe C in die Stufe B auf, nahm an der Radiosendung „Bayern 1 unterwegs – Radiogrüße aus Forchheim“ teil, umrahmte eine Jubelveranstaltung der Musikakademie Hammelburg, gestaltete die Weihnachtsfeier der CSU-Fraktion im „Bayerischen Hof“ in München. Seit 14 Jahren geht der Regionalkantor Erich Staab aus Erlangen als Chorleiter mit der „Eintracht“ gemeinsam ihren musikalischen Weg. 2011 führte dieser nach Passau zur Verleihung der „Zelterplakette“. Mit ihr wurden die Verdienste des Vereins durch den Bundespräsidenten offiziell gewürdigt.

Im selben Jahr wurde das 100. Vereinsjubiläum groß gefeiert. Zahlreiche Auftritte, Feiern und Konzerte folgten, unter anderem die Mitwirkung am Forchheimer Weihnachtsmarkt oder die musikalische Gestaltung des Festakts zur Verleihung der Bayerischen Verfassungsmedaille im Maximilianeum in München.

Die beiden letzten Höhepunkte des Chores waren das Konzert mit dem weltbekannten Don-Kosaken-Chor Jerge Jaroff 2017 sowie ein Auftritt im Kölner Dom 2018.

Bislang 15 Vorsitzende

15 Männer hatten in der wechselvollen 110-jährigen Geschichte als Vorsitzende die Geschicke des Vereins zu leiten: Johann Georg Amon, Leonhard Schuster, Franz Knorr, Georg Ammon, Hans Laßner, Georg Knorr , Franz Schüpferling, Hans Schmitt, Leonhard Mayer, Franz Schuster , Albert Leppert, Helmut Nägel, Horst Schütz, Helmut Schübel und Michael Schuster. Als Dirigenten fungierten Andreas Erlwein, Hans Neubig, Pankratz Schauer, Georg Ammon, Michael Hermann, Ernst Hofmann, Konrad Karnbaum, Alfons Ammon, Winfried Ammon, Albin Laßner, Gerhard Kauffer, Udo Reinhart und Erich Staab.

Im 110. Jahr präsentiert sich der Männergesangverein Eintracht Reuth als ein moderner und traditionsbewusster Chor , dessen weltliches und kirchliches Repertoire eine Brücke schlägt zwischen althergebrachtem und neuzeitlichem Liedgut.

Besonders stolz sei man jedoch, wie Vorsitzender Schuster bekräftigt, nicht nur auf seine 50 aktiven Sänger und seine 263 Mitglieder, sondern vor allem auf den Sängernachwuchs, der nicht nur singt, sondern schon Verantwortung übernommen hat wie der 20-jährige Jonas Stirnweiß als stellvertretender Vorsitzender oder Michael Knorr und Georg Schuster, die die Neugestaltung der Internetseite organisiert haben.

Seine weiteren Aufgaben für die Zukunft sehe der Verein aber auch darin, „ Sänger zu werben und Männer für den Gesang zu begeistern“, so Schuster. Geprobt wird normalerweise jeden Freitag ab 20 Uhr im Reuther Pfarrsaal. Der Sängerspruch des Vereins lautet: „Eintracht hält Macht.“