Der jüdische Lehrer Josef Seligsberger stammte aus Unterfranken. Er wurde vermutlich 1817 als Sohn des Hirsch Seligmann Seligsberger in Mainbernheim geboren. Verheiratet war er mit Jette Emma Strauß. Das Ehepaar hatte drei Töchter. Eine Tochter namens Helene kam am 2. Juli 1853 in Gnodstadt (heute ein Ortsteil von Marktbreit) zur Welt.

1827 hatte die jüdische Gemeinde Hagenbach eine eigene Elementarschule eröffnet – ein Recht, das allen jüdischen Gemeinden zustand. Für die Kosten musste allerdings die Kultusgemeinde aufkommen.

Niedrige Schülerzahl

Das Schulzimmer und die Lehrerwohnung befanden sich im Haus Nr. 39; sie waren direkt an die Synagoge angebaut. Da es sich um eine Elementarschule handelte, unterrichtete der jüdische Lehrer nicht nur Religion, sondern alle damals vorgeschriebenen Unterrichtsfächer. Das Lehrergehalt war gering, andererseits war auch die Zahl der Schüler niedrig, da viele jüdische Familien Hagenbach bereits für immer verlassen hatten.

Josef Seligsberger löste 1866 den umstrittenen Lehrer Abraham Wormser ab. Mit der Lehrerstelle war die Stelle des Vorbeters verbunden. Seligsberger war bei Amtsantritt schon 49 Jahre alt. Wenige Jahre später erkrankte er. Mit Wirkung vom 22. November 1881 wurde er wegen dauernder Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt.

Am 7. Januar 1882 starb Josef Seligsberger. Am 1. März 1882 erschien in der Zeitschrift „Der Israelit“ ein Nachruf auf den Verstorbenen , in dem es hieß: „Derselbe war ein echter Jehudi. Wenn eine Mizwah [Pflicht] zu erfüllen war, wenn eine Collecte für wohlthätige Zwecke veranstaltet wurde, war er es, der sich diesem mühsamen Geschäfte unterzog; seine Hauptbeschäftigung nächst seinem Berufe aber war das Studium der hl. Torah. Trotzdem er nur wenig Vermögen besaß, machte er doch dem Fürther ( jüdischen ) Waisenhaus ein kleines Vermächtnis.“

Sieben gemeinsame Kinder

Die Lehrersehefrau Jette Seligsberger starb 1884. Beide Ehegatten sind auf dem jüdischen Friedhof von Hagenbach bestattet . Die Lehrerstochter Helene Seligsberger war seit 16. August 1875 in Hagenbach verheiratet. Ihr Ehemann war der jüdische Viehhändler Ferdinand Schmidt, der aus Schönwald bei Tachau in Böhmen stammte.

Die gemeinsamen Kinder wurden alle in Hagenbach geboren: Louis und Malchen (1879), Lore (1880), Josef (1884), Jette (1887), Lina (1892) und am 13. Januar 1894 die jüngste Tochter Selma, die auch Lisa genannt wurde.

Rund zehn Jahre nach der Hochzeit, am 2. Januar 1885, kaufte das Ehepaar Schmidt von Abraham Wannbacher, einem Neffen von David Wannbacher, das neben der Synagoge stehende Haus Nr. 37. Es wurde sogleich auf die Kinder Amalie, Ludwig, Eleonora, Rosa und Joseph Schmidt überschrieben.

Rund 25 Jahre später trat erneut ein Besitzerwechsel ein. Die jüdische Gemeinde Hagenbach war weiter geschrumpft, die Kinder des Ehepaars Schmidt waren mittlerweile erwachsen und lebten in Wien, Kassel, Frankfurt/Main, London und New York. Am 13. Juli 1912 verkaufte die Viehhändlersfrau Helene Schmidt mit Einverständnis ihrer Kinder das Haus der Familie an das christliche Ehepaar Johann und Margareta Prütting.

In Riga-Jungfernhof ermordet

Die Schmidts zogen nach Fürth und wohnten fortan in der Mondstraße 6. Am 13. Oktober 1913 starb Ferdinand Schmidt, seine Witwe Helene starb 1924. Während die Eheleute Schmidt ihre letzte Ruhestätte im Neuen Jüdischen Friedhof der Stadt fanden, wurden vier ihrer Kinder als Erwachsene Opfer der Schoah, nämlich der Ingenieur Louis Schmidt (Wien), Lore Kahn (Somborn/Hessen), Lina Höfel (Frankfurt/Main) und Selma Sondhelm (Fürth). Letztere wurde am 29. November 1941 von Nürnberg aus gemeinsam mit ihrem Mann Jakob und ihrem zwölfjährigen Sohn Hans Adolf nach Riga-Jungfernhof deportiert und später ermordet.