Vor einiger Zeit war Petra Malbrich für einen Zeitungsauftrag unterwegs und verfuhr sich gründlich. In einem abgelegenen Haus konnte sie den richtigen Weg erfragen. Das Gebäude und sein Ambiente riefen aber noch einen ganz anderen Gedanken wach: So müsste das Haus eines geheimnisvollen Mörders ausschauen.

Diese Assoziation passt erst einmal nicht zum nüchternen, faktengestützten Arbeiten eines Journalisten. Aber Malbrich schreibt auch Belletristik und hat nun ihr zweites Buch veröffentlicht. „Beginn der Kirschblüte“ lautet der Titel.

„Seit der Grundschule schon schreibe ich Geschichten“, erzählt sie. „Ein Krimi , wie der Osterhase verschwunden ist, war die erste.“

Den Anstoß dazu gab ihr Vater, der ihr ein pädagogisch wertvolles Buch schenkte, sie sich aber dachte: „So einen Schmarrn kann ich auch schreiben.“ Pädagogisch wertvoll war ihr handgeschriebenes Manuskript auch, aber ganz anders, als der Vater dachte. Sie brachte ihm und den Lesern im Familienkreis damit bei, dass auch größere Kinder, die längst nicht mehr an den Osterhasen glaubten, sich über ein süßes Osternest freuen. Für Schulkinder war das damals nicht üblich.

Ein Gedankenblitz war es dagegen nicht, der zu ihrem Krimi „Sondern erlöse uns von dem Bösen – Abt Philipp ermittelt“ führte. Malbrich verfolgte vor einigen Jahren intensiv und immer mehr erschüttert die Berichte über Pädophilenringe, denen Eltern die eigenen Kinder zum Missbrauch zur Verfügung stellten. Als sie las, welche Leiden Betroffene durchmachen müssen, konnte sie nicht mehr ruhig schlafen. „Wie kann man daran Gefallen finden?“, war die eine Frage, die sie umtrieb. Die andere: „Wo könnten solche Kinder Schutz finden? An wen hätte ich mich gewandt, wenn mir so etwas widerfahren wäre?“

Für sich hatte sie bald eine Antwort gefunden: bei den Ordensschwestern, die in Weiße-nohe den Kindergarten geleitet haben. „Ich habe mich dort geborgen gefühlt. Die Nonnen strahlten Wärme und Gottvertrauen aus.“

Damit fand ihr Gedankenspiel, das Schicksal missbrauchter Kinder in belletristischer Form aufzuarbeiten, einen Handlungsort: Sie besiedelte das ehemalige Benediktinerkloster mit neuen Mönchen.

Da damals eine Neunutzung als Chorakademie im politischen Gespräch war, ließ sie die ihr gut bekannten Gebäude auch mit Sängern bevölkert sein. „So hatte ich viele Personen, wie man sie in einem Krimi für falsche Fährten und Ablenkungsmanöver braucht.“ Dem Abt, der den pädophilen Netzwerken nachspürt, gesellte sie einen atheistischen Schriftsteller bei, einen Klostergast, der weitere Impulse gibt.

Als drittes Moment kamen für Malbrich die Missbrauchsvorwürfe gegenüber Klerikern und kirchlichen Erziehern dazu. Sie sind für sie berechtigt, aber nicht als Verallgemeinerung ge-genüber allen Menschen in kirchlichen Diensten. Als letzte Überlegung kam noch die rechtliche Problematik von Kirchenasyl dazu, über die man eher bei der Sorge um Flüchtlinge und Asylbewerber spricht.

Das neu erschienene Buch „Beginn der Kirschblüte“ ist wieder in der Fränkischen Schweiz angesiedelt, aber an einem fiktiven Ort mitten in der Kirschenanbauregion. Und es ist eine Familiensaga, die von den 1920er Jahren bis Mitte der 1950er Jahre spielt. Die Inspirationsquelle war auch hier die tägliche Arbeit als Reporterin.

Bei Gratulationsterminen zu hohen Geburtstagen oder Ehejubiläen erzählen die Jubilare häufig aus ihrem Leben. Nicht selten kam dabei auch das Schicksal nichtehelich geborener Kinder zur Sprache, welch riesige Schande eine Schwangerschaft ohne Trauschein einst bedeutete und wie ganze Familien bis hin zum Boykott ihrer Geschäfte unter Druck gesetzt wurden.

Aus vielen solcher Schnipsel hat Malbrich einen Handlungsstrang geknüpft über den Lebensweg eines Mädchens , das seine ledige Mutter in den 1920er Jahren weggeben muss. Die lange Zeit nicht wusste, wo ihr Kind war. Die sich Ende der 1930er Jahre Sorgen machte, ob ihr Mädchen in die Maschinerie der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ geraten ist.

Die Geschichte hat ein gutes Ende – das sei schon jetzt verraten: Das uneheliche Kind kann 20 Jahre später just in den Gebäuden des Bauernhofs, in dem seine Mutter als Magd arbeitete, einen Gasthof eröffnen.