Bamberg/ Forchheim  — Ein dreister Serienbetrüger erleichterte jahrelang leichtgläubige Bauherren zwischen Würzburg und Nürnberg um rund 115 000 Euro. Er nahm Vorschüsse, führte vereinbarte Arbeiten aber nicht aus. Die Opfer blieben nicht nur auf dem Schaden, sondern über Monate hinweg auch in nicht fertigen Häusern sitzen. Der 29-jährige Täter trieb sein Unwesen auch in Pinzberg. Nun wurde er am Amtsgericht Bamberg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Der Traum von den eigenen vier Wänden : Für die junge Familie ist er in Pinzberg zum Greifen nah. Das Fertighaus steht bereits. Nun geht es um die Außenanlagen wie Terrasse , Garten und Pool. Aber auch um die Hausanschlüsse für Wasser und Abwasser. Damit man auch einziehen kann.

Der Bauherrin , die wir Serena nennen wollen, hat man eine kleine Firma aus dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim empfohlen. „Es war ein gutes Angebot und ein guter Preis.“ Der Haken ist nur: Der „Chef“, der bei uns Jonas heißen soll, will 75 Prozent der Summe im Voraus. Angeblich, um damit das notwendige Material einzukaufen. Über vier Monate hinweg zahlt Serena so rund 22 500 Euro. Das meiste davon in bar und ohne Quittung.

Anfangs scheint es eine seriöse Geschichte zu sein. Die Vorbereitungen für die Terrasse laufen. Der Erdaushub wird planmäßig abtransportiert. Bald liegen auch einige Rohre auf der Baustelle . Doch dann stockt das Ganze. „Er meinte, er habe noch andere Baustellen “. Serena übt sich in Geduld. Doch nichts passiert. Jonas vertröstet sie und kommt nicht zu vereinbarten Terminen. Er wechselt seine Telefonnummer. „Ich konnte ihn dann nicht mehr erreichen.“ Dann wird es kritisch, weil die Familie, die ihre bisherige Wohnung schon aufgegeben hat, nicht im Neubau wohnen kann, solange die Kanalanschlüsse nicht gelegt sind. Eine Zeit lang muss Serena sogar bei einem hilfsbereiten Nachbarn einziehen. Schließlich greift Serena zur Selbsthilfe. Sie fährt in den Baumarkt und kauft, was noch fehlt. Ein handwerklich geschickter Bekannter bringt die Sache über Wochen hinweg nach Feierabend in Ordnung. Denn aufgrund des Baubooms in der Region findet Serena keinen Profi, der kurzfristig einspringen kann.

Was Serena nicht weiß: Jonas macht solche Betrügereien ständig – und seit Jahren. Es gibt Urteile aus Schweinfurt, Neustadt/Aisch und Bamberg. Überall hat er verzweifelte Bauherren hinterlassen, die sich auf ihn verlassen haben und verlassen waren. Sein eigener Vater hat Jonas gewarnt, dass es nicht gutgehen könne. Er kalkuliere nicht richtig, erwirtschafte so keinen Gewinn.

In Forchheim fällt Jonas bereits vor zwei Jahren auf, als er zwei ältere Ehepaare mit Baggerarbeiten und ein Kieswerk um eine Schotterlieferung prellt. Mit den Vorschüssen stopft Jonas die Finanzlöcher, die sich immer wieder auftun. Oder er verliert tausende Euro an den Automaten der Spielbank in Bad Windsheim. Zeitweise muss er sich bei seiner Freundin sogar 20 Euro borgen, um tanken zu können.

Keine Steuern bezahlt

Das für ihn zuständige Landratsamt hat ihm schon 2019 verboten, eine Firma zu führen. Jonas hat einfach keine Rechnungen und schon gar keine Steuern bezahlt und so 40 000 Euro Schulden aufgetürmt. Woraufhin er seine unbedarfte Lebensgefährtin überredet, das Gewerbe auf ihren Namen anzumelden. „Er sagte, ich bräuchte mir keine Sorgen machen. Ich habe ihm vertraut.“

Der Firmensitz im Landkreis Ansbach entpuppt sich bei näherer Betrachtung denn auch als einsamer Briefkasten. Jonas selbst ist ein Meister der Ausreden und Ausflüchte. Mal kündigt er an, sein Vater werde die Baustelle in Ordnung bringen. Mal sind es Materialengpässe, die ihn angeblich aufhalten. Dann fehlt ihm Personal. Noch als Angeklagter behauptete er, dass er die Baustellen zu Ende gebracht hätte, wenn man ihn nicht in Untersuchungshaft gesteckt hätte. Für solche Aussagen hatte Staatsanwältin Carina Distler keinerlei Verständnis: „Es geht hier nicht um Pimperles-Beträge. Manchen Leuten geht es an die Existenz.“ Sie forderte drei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe.

Am Ende verhängte das Schöffengericht für fünf Fälle des Betruges eine dreijährige Gefängnisstrafe. „Es ist ein sehr hoher Schaden entstanden“, so der Vorsitzende Richter Matthias Bachmann. Ob Jonas den jemals wieder gutmachen können wird, ist angesichts der inzwischen zweiten Firmenpleite, eines Offenbarungseides, keinerlei Vermögenswerten und enormer Zahlungsverpflichtungen bei Lieferanten, Kunden und dem Finanzamt allerdings mehr als fraglich.