Die einen wollen es abreißen, die anderen sanieren. Die Rede ist vom sogenannten „Krämershaus“ in der Leutenbacher Ortsmitte. Vor rund drei Jahren hatte die Gemeinde Leutenbach das Krämersanwesen erworben, weil sich damals zahlreiche Bürger darüber beschwert hatten, das es zur Müllhalde geworden ist. Bis heute ist allerdings noch nicht klar, was aus dem Krämershaus und dem großen Stadel werden soll. Oder eben nicht.

Deshalb war nun erst einmal ein Besichtigungstermin des Gemeinderats anberaumt, damit sich die Gremiumsmitglieder ein Bild über den Zustand des früheren Kolonialwarenladens, den einst Johann Rumpler in dem Haus Dorfstraße 16 eröffnet hatte, zu machen.

Ein Bild der Verwüstung

Von außen sieht das Haus durchaus noch sanierungsfähig aus. Dieser Eindruck ändert sich jedoch schnell, sobald man durch die seitliche Eingangstür den Flur betritt. Dem Betrachter bietet sich geradezu ein Bild der Verwüstung. Die Holztreppe ins erste Obergeschoss ist kaputt, das Geländer fehlt teilweise, in den Räumen fällt der Putz von den Wänden, falls er überhaupt noch vorhanden ist, und im Dachboden ist das Bild nicht viel besser. Hier hat sich sogar der Kamin verschoben.

Im einstigen Kuhstall, der direkt an das Wohnhaus angebaut ist, bietet sich ebenfalls ein erschreckendes Bild. Kurzum: Außer den Außenmauern bliebe bei einer Gebäudesanierung kaum mehr etwas stehen.

Bürgermeister Florian Kraft (FW) hatte deshalb während der vorletzten Gemeinderatssitzung vorgeschlagen, die Gebäude auf dem Grundstück komplett abzureißen und aus dem dann frei gewordenen Platz eine Art Dorfplatz mit Parkplätzen zu machen. „Parkplätze fehlen in der Ortsmitte ohnehin“, so Kraft damals. Dazu sollte ein Architekt beauftragt werden, der eine Planskizze anfertigt, mit der bei der Regierung von Oberfranken Zuschussmittel aus dem Städtebauförderungsprogramm des Freistaats Bayern für einen Dorf- und Parkplatz beantragt werden sollten.

Nach einer kontroversen Diskussion lehnte der Gemeinderat Krafts Vorschlag, alles abzureißen, damals ab. Die Räte wollten sich zunächst ein Bild vom Zustand des Gebäudes machen. Außerdem sollten die Bürger in die Diskussion zur Zukunft des Krämeranwesens mit einbezogen werden. Denn es gab einst schon Überlegungen, einen Dorfladen in dem Haus zu integrieren. Oder ein Café mit Bäckerei.

Als Alternative für das Raiffeisengebäude brachte Matthias Reubel, der als Bürger bei der rollenden Gemeinderatssitzung dabei war, das alte Krämershaus dann während des ersten Leutenbacher Dorfgesprächs als Alternativvorschlag für einen Regionalladen ins Spiel. „Denn das Thema Nahversorgung wird wegen des Klimawandels aktueller und attraktiver denn je“, so Reubel.

Was Kraft nicht will, ist eine Konkurrenz zu den noch bestehenden Wirtshäusern und den Vereinen zu schaffen. „Saniert man das Gebäude, dann muss man auch eine Nutzung dafür haben“, so der Bürgermeister. Diese sieht der Rathauschef aktuell nicht.

Am Mittwoch, 8. Juni, soll nun eine Bürgerversammlung zum Thema Krämersanwesen im Leutenbacher Pfarrheim stattfinden. Beginn ist um 19 Uhr.