Im sonntäglichen Gottesdienst in St. Johannis Forchheim wurde das 100-jährige Bestehen der Karl-Gottlieb-Hornschuch’schen Wohltätigkeitsstiftung gefeiert. Aus diesem Anlass übergab die Stiftungsleitung der Kirchengemeinde St. Johannis einen Scheck über 20 000 Euro sowie der Christuskirche einen Scheck über 15 000 Euro als Sonderzuwendung für deren Kinder- und Jugendarbeit sowie für diakonische Bereiche.

In der St.-Johannis-Kirche ist derzeit für einen Zeitraum von drei Wochen eine kleine Ausstellung zur Stiftung zu sehen. Diese wird im Herbst in der Christuskirche wiederholt.

Mit notarieller Urkunde vom 13. Juni 1921 hat Kommerzienrat Jakob Hornschuch auch als Vertreter der Erben von Karl Gottlieb Hornschuch dessen „Nachlaß zum ständigen Andenken an den Verstorbenen “ formal in eine Stiftung eingebracht. Dieser war am 20. Juli 1899 kinderlos und unverheiratet im Alter von 30 Jahren gestorben. In der Urkunde wird er als Privatier, aber auch als Gärtnergehilfe bezeichnet. Sein Vermögensanteil bestand aus dem Anwesen Forchheim , Bayreuther Straße 23, in dem bereits seit 1900 ein Kindergarten sowie eine Diakonissenstation zulasten des Nachlassvermögens betrieben wurden, sowie aus einem Kapitalvermögen von 78 048 Mark. Mit übernommen wurde später auch eine bereits 1901 von Karl-Gottliebs Bruder Konrad und dessen Ehefrau Mathilde an die Kirchengemeinde erbrachte Stiftung von 4000 Mark. Diese war bestimmt zur Unterstützung „armer protestantischer Familien in Forchheim (…) in Erwägung der vielfach beklagten Thatsache, daß nach den bisherigen Gepflogenheiten der hiesigen Stadtgemeindevertretung die Armen der protestantischen Confession von dem Genuß der städtischen Stiftungen ausgeschlossen sind“. Als Zweck der Stiftung wurde „der Betrieb einer Kleinkinderschule durch eine Kindergärtnerin sowie die Ausführung der ambulanten Krankenpflege durch eine Krankenschwester – beides in unentgeltlicher Weise – bestimmt. Zur Aufnahme in die Schule werden nur solche Kinder zugelassen, die der evangelisch-lutherischen Religion angehören“.

Zu Stiftungsverwaltern waren der jeweils älteste männliche Abkömmling der Brüder des Erblassers, Jakob und Konrad, bestimmt. Die Familie Hornschuch war die Eigentümerin der Forchheimer Textilbetriebe Weber & Ott AG sowie der Spinnerei Forchheim GmbH. Nach dem Ableben des letzten Sohnes der Familien Hornschuch, die der evangelischen Kirchengemeinde nicht nur beim Bau der St. Johannis-Kirche sehr zugetan waren, ging 1964 die Verwaltung der Stiftung auf St. Johannis über.

Heute besteht der Stiftungsausschuss aus Mitgliedern der beiden Kirchengemeinden . Aktuell ist Alfred Schmidt als Vorstand und Günter Hörner als Stiftungspfleger bestellt.

Auf dem Stiftungsgrundstück wurden von der Stiftung selbst bis 1992 der Kindergarten sowie die Diakoniestation Forchheim , die sodann von der Diakonie Bamberg-Forchheim übernommen wurde, betrieben.

Die rechtsfähige kirchliche Stiftung ist heute als rein vermögensverwaltende Organisation tätig. In Anpassung an die gesellschaftlichen und kirchengemeindlichen Entwicklungen in Forchheim wurde die Satzung mehrfach geändert. Der Stiftungszweck ist nun die Förderung „sozialer und diakonischer Einrichtungen und Dienstleistungen in Forchheim , die von Organisationen oder Einzelpersonen, die der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern angehören, getragen oder ausgeübt werden. Insbesondere erfolgt die Förderung in der Kinder- und Jugenderziehung sowie in der Gesundheits- und Krankenpflege“.

Auch durch namhafte Zustiftungen, unter anderem durch das Ehepaar Eugen und Frieda Schmidt sowie Wolfram Bleile, wurde das Stiftungsvermögen ausgeweitet. Daraus können jährlich insbesondere die Kinderhäuser der beiden evangelischen Gemeinden, die Jugendarbeit , das Familienzentrum St. Johannis sowie auch der Mittagstisch in der Christuskirche und das Beratungs- und Hilfezentrum in nicht unerheblichem Umfang mit einem jährlich deutlich fünfstelligen Betrag finanziell unterstützt werden. Auch die Neubauten der beiden Kinderhäuser sowie Anschaffungen in derartigen Einrichtungen konnten bezuschusst werden. Günter Hörner