Die Flurnamen des gesamten Landkreises systematisch zu erfassen und allen Interessierten zugänglich zu machen, hat sich der Historische Verein Landkreis Haßberge vor zehn Jahren zur Aufgabe gemacht. Wie der Historische Verein mitteilte, haben sie nun alle Gemeinden des Kreises erfasst. Ein vorläufiges Resümee gab es im Rügheimer Schüttbau.
Vorsitzender Wolfgang Jäger machte klar, dass ein solches Projekt niemals ein Ende hat. Ständig entdecke man neue Flurnamen in den Archiven. Auch die Sprachforschung entwickle sich stetig weiter und liefere neue Erkenntnisse, was die alten Begriffe zu erzählen haben. Wie wichtig die Erfassung ist, werde schnell klar, wenn man bedenkt, dass aktuell nur noch ein Bruchteil der Grundstücke und Felder namentlich bekannt ist. Dabei könnten die alten Namen den Menschen heute sehr viel über die Vergangenheit verraten, betonte Jäger.
Auch der Bürgermeister der Stadt Hofheim, Wolfgang Borst (CSU), war zu Gast, um das Engagement der ehrenamtlichen Forscher zu loben.
Als das Projekt angefangen hat, waren die Möglichkeiten, die das Internet bietet, noch nicht denkbar. So mussten die Forscher damals die Karten von der ersten bayernweiten Vermessung des Landes (Uraufnahme von 1850) teuer bezahlen. Heute kann jeder dank Internet kostenfrei darauf zugreifen.
Zudem erwarb man beim Verband für Orts- und Flurnamenforschung alle Dokumente aus dem Landkreis, die sich in der Vergangenheit mit Erfassung und Erklärung beschäftigten. Vier große Pakete trafen ein und wurden an die über 50 Vereinsmitglieder weitergeleitet, die in den Gemeinden vor Ort die Arbeit aufnahmen. Nach einem Schema wurden sogenannte Inventurlisten angelegt, aus denen die Mitglieder verschiedene Informationen ablesen konnten.
Diese Sammlung wird in den nächsten Wochen allen Bürgern kostenfrei zur Verfügung stehen. Der pensionierte Förster Max Breitwieser machte in einem Spontanvortrag anhand der Sauhütte im Wald zwischen Kirchlauter und Ebern deutlich, wie solche Begriffe von früheren Nutzungen berichten. Bis in die Neuzeit war es nämlich üblich, dass man die Schweine im Herbst zur Mast in den Wald führte, damit sie dort Eicheln und Bucheckern fressen konnten. Abends wurden die Tiere zu ihrer Sicherheit in die Sauhütte getrieben, um ihnen die täglichen Distanzen zu den häuslichen Ställen zu ersparen.
Joachim Andraschke lieferte den wissenschaftlichen Höhepunkt der Tagung und referierte über frühmittelalterliche Flurnamen. So berichtete er beispielsweise von einem Beleg aus dem Jahr 1319, der Mariaburghausen zuzuordnen ist und mit dem Namen "olca" (eingezäunter Weinberg) auf einen moselromanischen Ursprung hindeutet. Andraschke lokalisierte vor Jahren auch die Wüstung "Taberndorf" bei Ebelsbach, deren Name auf das lateinische Wort "taverne" hinweisen könnte.
Grund für das lateinische Namensgut dürfte sein, dass Weinbauern aus dem Moselgebiet schon vor über 1300 Jahren im heutigen Landkreis Haßberge angesiedelt wurden, um Adel und Geistlichkeit mit Winzerkunst zu versorgen. Auch nach dem Untergang des Römischen Imperiums hatte sich dort der Weinanbau erhalten.
Großes Interesse erweckten auch seine Thesen zu Namen mit kultischem Hintergrund (Gotansberg bei Zell am Ebersberg) oder burgundischem Ursprung (etwa Knetzberge bei Knetzgau).
Schatzmeister Klaus Kunkel konnte mit Unterstützung vor Ort die letzten weißen Flecken des Projektes in Rauhenebrach und Mechenried schließen.
Ernst Hümmer, der im Projekt für die Technik zuständig ist, konnte die Zuhörer mit den Möglichkeiten faszinieren, die dank der erfassten Projektdaten in Kombination mit Internetangeboten und EDV-Programmen möglich sind. Stößt man zu Hause auf einen seltsamen Flurnamen, wie "Sausack", dann kann man künftig nachsehen, ob, wo und wie oft es diesen Begriff woanders gibt. So lassen sich schnell Parallelen erkennen und Kontakte knüpfen, die oftmals zur Erklärung führen. red