von unserem Mitarbeiter Philipp Dohle

Herzogenaurach — Rund 30 hilfsbereite Bürger fanden sich vor Kurzem im Herzogenauracher Martin-Luther-Haus ein, um über die Flüchtlingsbetreuung vor Ort zu diskutieren. Auch drei Flüchtlinge aus Syrien waren zugegen.
Der Sprecher des Leitungskreises der Betreuungsinitiative, Konrad Eitel, lobte das bisherige Engagement, wies jedoch auf die Notwendigkeit hin, weitere Maßnahmen zu ergreifen: "Unser Ziel sollte eine breitere Akzeptanz, ein regeres Interesse in der Bevölkerung sein, da das Thema alle angeht. Herzogenaurach hat schließlich fast 24 000 Einwohner." Konkret seien daher langfristig mehr ehrenamtliche Helfer nötig, um auch in Zukunft erfolgreiche Integrationsarbeit zu leisten. Man müsse einen langen Atem haben, besonders im Hinblick auf die weltpolitische Lage und den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom.
Momentan befinden sich 50 Personen, unter anderem aus Albanien, der Ukraine oder Kasachstan, in mehreren dezentralen Unterkünften. Im Juni soll noch einmal die gleiche Anzahl an weiteren Flüchtlingen in Containern in der Eichelmühlgasse untergebracht werden.
Auf der Vollversammlung wurde ein Organisationsstatut beschlossen, das die Prioritäten des Zusammenschlusses festlegt und die Abläufe optimieren soll. Über die Katholische Kirchenstiftung St. Magdalena ist ein Spendenkonto eingerichtet worden. Etwa 17 000 Euro sind darauf bisher eingegangen. Rund 2600 Euro davon machen Zuschüsse vom Landratsamt aus. "Das Geld soll maßvoll und nachhaltig in die Bildungs- und Integrationsarbeit investiert werden. Vor allem in den Deutschunterricht und in Freizeitangebote wie Handarbeiten oder Sport. Die Verwendung für akute Notlagen behalten wir uns ebenso vor", erklärte Leitungskreismitglied Hans Strigl.

Franken lernen Farsi

Stadträtin Ille Prockl-Pfeiffer (CSU) informierte über anstehende Veranstaltungen. Beispielsweise finden Sprachkurse der Volkshochschule statt, die erste Einblicke in Arabisch und Farsi bieten. Außerdem wird die Leiterin der Caritas-Familienberatung, Simone Steiner, ein Seminar zum Thema Flüchtlingshilfe abhalten. Dabei liegt der Fokus auf dem Umgang mit der emotionalen Belastung und der Wahrung einer nötigen Distanz.
Die Flüchtlinge werden auch von Gahssan Spieß betreut. Der gelernte Energieelektroniker kam 1986 als Asylbewerber über Ostberlin in die Bundesrepublik und landete über einige Umwege in Herzogenaurach. Von seiner eigenen Erfahrung und seinen Arabisch-Kenntnissen profitieren insbesondere die syrischen Flüchtlinge. "Die Asylbewerber sind in Herzogenaurach sehr gut aufgenommen worden und hoffen natürlich, bleiben zu dürfen. Die engagierte Betreuung ist vor allem aufgrund der teilweise traumatischen Erlebnisse wichtig", berichtete der als Dolmetscher tätige Helfer.
Um auf gesellschaftlicher Ebene eine Diskussion über die Missstände und Probleme der aktuellen Flüchtlingspolitik anzustoßen, wurde von den Anwesenden ein Schreiben gegen ungerechte Abschiebung und die Dublin-Regelung unterzeichnet. Dieser Brief wurde an Abgeordnete und Landräte verschickt, auch um auf die konkrete Notlage des syrischen Flüchtlings Idris Ali aufmerksam zu machen.
Der 39-Jährige lebt seit einigen Wochen in Herzogenaurach und soll innerhalb von 14 Tagen nach Ungarn abgeschoben werden, da er über dieses Land nach Europa eingereist ist. "Wir protestieren gegen die indiskutable Entscheidung und werden alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen, damit er bei uns bleiben kann", versicherte Konrad Eitel abschließend.