Erlangen-Höchstadt — In fast allen Gemeinden des Landkreises, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, haben sich mittlerweile Helfergruppen gebildet, entweder konstituiert als Verein oder als offener Zusammenschluss der Betreuer. Nunmehr haben sich die örtlichen Initiativen auf Kreisebene vernetzt: Auf der Gründungsversammlung in Herzogenaurach haben sich zunächst elf Helferkreise von Wachenroth bis Eckental zur "Flüchtlingsinitiativen Erlangen-Höchstadt" (FiERH) zusammengeschlossen.
Die weiteren örtlichen Betreuungsgruppen sind ebenfalls zur Mitarbeit eingeladen. Als Gast dabei waren auch Vertreter von EFIE, der Organisation der Erlanger Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung. Mit dieser soll es eine enge Zusammenarbeit geben.
Im Gründungsaufruf der FiERH heißt es: "Flucht und Migration finden weltweit statt. Doch niemand flieht freiwillig. Menschen verlassen ihre Herkunftsländer in bestimmten Lebenssituationen, in denen sie akut bedroht und auf Schutz und Unterstützung angewiesen sind." Ziel der Initiative ist es demnach, auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt Brücken zu bauen, Flüchtlingen eine neue Heimat zu geben und damit die Würde der Menschen zu wahren. Zitat: "Wir wünschen uns einen offenen Austausch und heißen jeden willkommen, der sich daran beteiligen möchte."
Wie es in dem Aufruf heißt, will man sich mit den Menschenrechtsorganisationen stark machen für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten: "Wir sind der festen Überzeugung, dass die Geltung von Menschenrechten Vorrang haben muss vor einer Politik der Flüchtlingsabwehr."
Die Vernetzung der örtlichen Helferkreise soll, wie Petra Kleineisel aus Wachenroth für die Initiatoren erklärte, dem Erfahrungsaustausch dienen, aber auch der gegenseitigen Hilfestellung und der Interessenvertretung der Flüchtlinge und ihrer Betreuer gegenüber Ämtern und Behörden. Weiter angestrebt werden auch überregionale Kontakte, u. a. zum bayerischen Flüchtlingsrat als landesweiter Dachorganisation.
Zur Umsetzung der Ziele wurde ein Koordinierungskreis gebildet, dem Vertreter aller Mitgliedsgruppen angehören. Zu Sprechern der FiERH wurden Petra Kleineisel aus Wachenroth, Henning Hoffmann aus Eckental und Konrad Eitel aus Herzogenaurach gewählt.

Mehr Personal gefordert

Angesichts der zunehmenden Anzahl von Flüchtlingen, die im Landkreis aufgenommen werden müssen, wurden bereits eine Reihe von Punkten formuliert, die aus Sicht der FiERH gelöst werden sollten. Dies reicht von der weiteren Einstellung hauptamtlicher Asylsozialarbeiter und der Installation einer Migrationsberatung bis zu Fragen des sozialen Wohnungsbaus.
Diskutiert wurde auch die Erfahrungen mit Ämtern und Behörden, die nicht immer nur positiv waren und sind. Hier will der neue Zusammenschluss eine Vermittlerrolle übernehmen und Brücken bauen.
Ebenso notwendig ist Konrad Eitel zufolge eine bessere Information der Öffentlichkeit zu Flüchtlingsfragen, um die Akzeptanz für diese Menschen zu erhöhen und ausländerfeindlichen Tendenzen entgegenzuwirken.
Dazu will die FiERH auch auf die Politik einwirken, um eine weitere Verschärfung des Asylrechts zu verhindern und auf EU-Ebene zu anderen Lösungen zu kommen als sie derzeit - z. B. mit der Dublin-Regelung - gegeben sind.
Das nächste Treffen wurde deshalb bereits für den 27. Juli anberaumt, um über die bis dahin geführten Gespräche zu beraten und das weitere Vorgehen festzulegen. Ansprechpartnerin für Anfragen ist Petra Kleineisel, E-Mail petra.kleineisel@migration-ak.de. red