Start für das bundesweit einzigartige Pilotmodell "3 plus 1" der IHK zu Coburg: Die erste Fachklasse des vierjährigen Ausbildungsmodells hat am 15. September ihre ersten Unterrichtsstunden an der Staatlichen Berufsschule I. Die derzeit 13 Schüler - aktuell ohne tiefgreifende deutsche Sprachkenntnisse - sind Flüchtlinge, die vorab in einem Matching-Verfahren entsprechend ihrer Ausbildungswünsche und Vorkenntnisse aus 80 Interessierten ausgewählt wurden.
"Wir als IHK sind überzeugt, dass unser Ausbildungsmodell die Integration der Geflüchteten sehr effektiv fördert, weil Spracherwerb, berufliche Ausbildung im Unternehmen, Theorie in der Berufsschule und selbstbestimmtes Leben durch eigenes Einkommen sich gegenseitig ergänzen beziehungsweise zusammenwirken. Zudem zeigt 3+1 auch, dass die Coburger Wirtschaft sich mit großer Verantwortung dieser aktuellen Herausforderung stellt", erklärt IHK-Präsident Friedrich Herdan, auf dessen Erfahrung in der betrieblichen Ausbildung das Projekt zurückgeht.
Das Besondere an "3+1" ist, dass Spracherwerb und Ausbildung nicht in Stufen - zeitlich versetzt wie bisher - stattfinden, sondern parallel von Anfang an. Ausschließlich wegen der zusätzlichen Herausforderung der Sprachvermittlung wird die Ausbildungszeit um ein Jahr verlängert. Den Unternehmen stehen aber damit dennoch qualifizierte Fachkräfte mindestens ein bis zwei Jahre früher zur Verfügung als im bisherigen abgekoppelten System, mit mindestens zweijähriger vorgeschalteter Integrations- und Sprachschulung, zudem finanziert durch staatliche Unterstützung.
Als Ausbildungsberufe stehen derzeit sechs Fachrichtungen zur Auswahl. Der Unterricht findet an der Berufsschule I statt, Unternehmen in Stadt und Landkreis Coburg übernehmen die betriebliche Ausbildung.
Die Vorteile und innovativen Möglichkeiten dieses Konzepts haben Fachleute schnell überzeugt. Insbesondere dankte Herdan der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner für die spontane konstruktive Unterstützung, aber auch für die Koordination wichtiger Fachgespräche im Bayerischen Kultus- und dem Sozialministerium sowie der Agentur für Arbeit. red