Wegen fahrlässiger Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte jeweils in zwei Fällen hat das Amtsgericht Haßfurt einen 31-Jährigen aus dem Landkreis zu einer Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen zu zehn Euro, also 450 Euro, verurteilt.

Der Angeklagte hatte sich mit seiner Aktion im Oktober vergangenen Jahres vor allem selbst geschadet. Er schluckte vormittags nach einem Streit mit seiner Lebensgefährtin deren Aussage zufolge "eine Handvoll Tabletten". Anschließend setzte er sich in sein Auto, drohte, sich umzubringen, und fuhr weg. Die Lebensgefährtin wählte daraufhin den Polizeinotruf.

Eine Polizeistreife fand den 31-Jährigen wenig später auf einem Acker bei Wonfurt. Als eine Polizeibeamtin mit dem Angeklagten an der geöffneten Fahrertür sprach, hat der plötzlich die Tür zugemacht und ist davongerast. Dabei ist sie an einem Finger verletzt worden und das Funkgerät, das sie in der Hand hielt, ist davongeflogen. Die damals schwangere Freundin des Angeklagten stand vor dem Auto. Beim Losfahren landete sie auf der Motorhaube und fiel dann herunter.

Per Handy-Telefonat konnten die Beamten den Angeklagten dazu bewegen, zurück zu seinem Wohnhaus zu fahren. Dort erwartete ihn bereits eine weitere Polizeistreife. Den Polizeibeamten gelang es, das Auto des Angeklagten mit ihren Dienstfahrzeugen einzukesseln, so dass er nicht mehr flüchten konnte.

Erneute Flucht und Festnahme

Dies tat er aber dann zu Fuß, als die Beamten versuchten, ihn festzunehmen. Er riss sich los und rannte weg. Ein Beamter verfolgte ihn. Beide stolperten.

Dem Beamten gelang es, den Angeklagten auf dem Boden zu fixieren, während ihm ein anderer Fesseln anlegte. Ein Beamter wurde dabei leicht verletzt. Der 31-Jährige wurde nach einer Blutabnahme in die Psychiatrie in Werneck gebracht.

Auf der Anklagebank bezeichnete er die Tatvorwürfe als "übertrieben". Er habe aufgrund seiner Depressionen Medikamente ausprobiert, die er nicht vertragen habe. Er habe Psychosen und Selbstmordgedanken entwickelt, die zu dem Wutanfall geführt hätten. Bei der Fesselung seien zwei Beamte auf seinem Rücken gekniet. Ein Katheder, den er im Bauch trug, sei herausgerissen worden. Er habe dreimal operiert werden müssen und habe neun Wochen im Krankenhaus verbracht. Die Tabletten, die er geschluckt habe, seien harmlos gewesen. Dafür hatte er zum Tatzeitpunkt Cannabis im Blut, wie ein Gutachten ergab.

Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 2000 Euro. Die Richterin verminderte, da der Angeklagte vor allem selbst verletzt wurde. Der Angeklagte verzichtete auf einen Antrag. Für sein Verhalten entschuldigte er sich. Er sei seit dem Vorfall in psychologischer Behandlung und habe die Medikamente abgesetzt, erklärte er vor Gericht.