In ihrem jungen Leben haben sie viel Zeit am Klavier verbracht. Es gab Momente, in denen das Üben nicht leicht fiel. 88 Tasten gilt es blind zu treffen, eine ganze Palette an Noten muss man im Violin- und im Bassschlüssel beherrschen und mehrere Finger sollen zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle einen hübschen Ton erklingen lassen. Und dann gibt es die Erfolgsmomente, man kann ganze Stücke spielen, legt eine ganze Welt hinein. Und man erlebt den Applaus des Publikums.
Dass sich das Üben und Weiterüben lohnen kann, zeigte das "Konzert junger Pianisten" am vergangenen Sonntag in der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels. Fünf Schüler aus der Klasse von Stella von Arnold-Havadi, die an der Heinrich-Faber-Musikschule unterrichtet, zeigten im 75-minütigen Konzert am Flügel ihr Können. Sie sind allesamt fortgeschrittene Pianisten, zwischen 14 und 18 Jahre alt und haben zwischen sechs und zwölf Jahre Klaviererfahrung.


Meister der Klaviermusik

Die mit 14 Jahren jüngste Musikerin der Gruppe, Annika Wiesmann, machte den Anfang und brachte gleich einen Meister der Klaviermusik zu Gehör: Sergej Rachmaninow, der nicht nur komponierte, sondern auch selbst Pianist war. Die "Romanze op. 10 Nr. 6" bewältigte sie mühelos. Seit sechs Jahren nimmt sie nun Unterricht. Die 16-jährige Franca Wiesmann bewies mit ihrem kleinen Streifzug durch vier Epochen der Musikgeschichte von Bach über Haydn und Mendelssohn-Bartholdy hin zu Chopin, eine besonders geschmeidige Fingerfertigkeit. Seit nunmehr neun Jahren ist das Klavier ihr Instrument. Die 16-jährige Esther Schadt spielt Klavier, seitdem sie sechs Jahre alt ist. Ausgezeichnet beherrscht sie das Minenspiel der Töne, weiche Klänge schieben sich bei ihr zwischen temperamentvolle Akkorde und umgekehrt. Besonders bei Rachmaninows "Polichinelle" konnte sie ihre Ausdruckskraft voll zur Geltung bringen.
Sehr gefühlvoll ist das Spiel von Lea Gießler. Sie verzichtet für ihre vier Vortragsstücke auf Noten, konzentriert sich dabei völlig auf den emotionalen Ausdruck. Die ausgewählten Stücke bieten sich auch dafür an, besonders Felix Mendelssohn-Bartholdys "Lieder ohne Worte op. 19, Nr. 1" und Dimitri Schostakowitschs "Drei phantastische Tänze, op. 5" gelangen ihr hervorragend. Mittlerweile spielt die 15-Jährige seit acht Jahren Klavier.


Spiel ohne Noten

Auch der 18-jährige Ferdinand Brunner bevorzugt ein Spiel ohne Noten. Seit zwölf Jahren ist das Klavier sein Instrument, er kennt es in- und auswendig. Die Technik beherrscht er und kann so den Fokus auf den Ausdruck richten. Ein Pianist, der in sich ruht, und in dem Moment nur für die Musik lebt, so scheint es. Er spielte den dritten Satz der "Sturmsonate op. 31, Nr. 2" von Ludwig van Beethoven und Rachmaninows "Präludium in cis-Moll". "Woher weiß ich, dass mein Kind so begabt ist?"
Diese Frage stellte Stella von Arnold-Havadi in den Raum. Natürlich müsse man üben. Aber: "Nur fleißig zu sein, bringt einen auch nicht so weit", erklärte sie. "Ein Kind muss Ausstrahlung haben."
Alle jungen Pianisten, die im Konzert zu hören waren, spielen seit ihrem Grundschulalter. Die kurzen Biografien, die im Programm zu lesen sind, verraten einiges über ihre Leistungen und Neigungen. Fast alle haben Preise bei "Jugend musiziert" gewonnen. Sie engagieren sich in Ensembles, sind erfahrene Konzertmusiker und erweitern ihre Kenntnisse, etwa an der Orgel oder mit anderen Instrumenten. Leider folgten nur wenige dem Ruf der Klaviermusik zur sonntäglichen Matinee und so waren nur rund 30 Plätze besetzt.
Auch Arnt-Uwe Schille, der Kulturreferent des Stadtrates, hätte sich über mehr Publikum gefreut: "Schade, dass die Ränge nicht ganz gefüllt sind." Die fünf Pianisten lobte er für ihre "super Leistung".