Was mit dem "Prager Fenstersturz" am 23. Mai 1618 begann, sollte sich zu einem nicht für möglich gehaltenen jahrzehntelangen Martyrium ausweiten, das auch Franken sprichwörtlich in Schutt und Asche legte. Mit ihrem Vortrag "Und hausten nach Schwedenart ..." im Ebensfelder Pfarrheim verdeutlichte Annette Schäfer die verheerenden Dimensionen des Dreißigjährigen Krieges auch hierzulande.

"Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist umgekehret / das Rathaus ligt im Grauß / die Starcken sind zerhaun / die Jungfern sind geschändt / und wo wir hin nur schauen / ist Feuer, Pest und Tod, der Hertz und Geist durchfähret" - nachdenkliche Mienen sah man in den Gesichtern der rund 30 interessierten Zuhörer, als die Referentin, auch Kreisheimatpflegerin des Landkreises Bamberg, zu Beginn aus dem zeitgenössischen Werk des Dichters Andreas Gryphis zitierte. 1636 - also mitten im Dreißigjährigen Krieg - versuchte dieser, dem eigentlich Unbeschreiblichen ein lyrisches Gesicht zu verleihen.

Ein kaum endendes Leiden

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Bevölkerung Deutschlands um mehrere Millionen geschrumpft - als fatale Auswirkungen des Mordens, aber auch der damit einher gehenden Seuchen und Hungersnöte. Beim Dreißigjährigen Krieg handelte es sich, wie Schäfer wissen ließ, nicht um eine einzelne kriegerische Auseinandersetzung, sondern um eine Reihe paralleler sowie aufeinander folgender Konflikte. Für die Bevölkerung bedeutete es jedenfalls ein schier kaum endendes Leiden mit Plünderungen, Morden, Zerstörung.

400 Staffelsteiner starben

Viele Menschen der am Ende geradezu ausgelaugten Bevölkerung fielen zudem - auch hervorgerufen durch die Kriegswirren - Seuchen und Hungersnöten zum Opfer. Bis zum Westfälischen Frieden 1648 war beispielsweise die Bevölkerungszahl im Hochstift Bamberg um mehr als 40 Prozent zurückgegangen, in Dörfern des Coburger Lands teils gar 70 bis 80 Prozent. Auch Staffelstein blieb nicht verschont. Am 7. Februar 1633 fielen die Schweden in die Stadt am Obermain ein, 113 Bürger wurden hierbei getötet. Als wäre dies nicht schlimm genug, starben weitere 400 Staffelsteiner an der Pest.

Zwar stellte der fränkische Raum selbst, wie die Zuhörer erfuhren, in den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges noch keinen Kriegsschauplatz dar, sondern erst ab 1632. Doch dessen Auswirkungen bekamen die Bürger der Dörfer und Städte auch schon zuvor zu spüren, da Franken aufgrund seiner Lage ein ständiges Durchzugsgebiet der Heere war. Die Soldaten quartierten sich ein, erpressten Proviant und Geld.

Dass hinter dem Begriff "Dreißigjähriger Krieg" unzählige menschliche Schicksale stehen, verdeutliche etwa der Erlebnisbericht des damaligen evangelischen Pfarrers Martin Bötzinger (1599-1673). Dessen Schwiegervater wurde vor den Augen der Angehörigen von Soldaten auf der Suche auf Geld und Vorräten niedergestochen, im weiteren Verlauf seine beiden Schwiegereltern gefoltert und schließlich ermordet, seine Frau von Soldaten vergewaltigt.

Im Krieg selbst involviert war Franken dann vor allem während der "Schwedischen Epoche" von 1631 bis 1635, wobei die Bischofsstadt Bamberg etliche Male von schwedischen Truppen eingenommen wurde, erstmals am 11. Februar 1632, die Stadt wurde regelrecht ausgeplündert. "Das Schießen hat angefangen um 6 Uhr und gewährt bis früh um 1 Uhr ... wann wir in die Stadt gesehen haben, so haben wir nichts als Feuer gesehen", berichtete seinerzeit die Bamberger Dominikanernonne Anna Maria Junius.

"Ein Religionskrieg war es nur am Anfang", betonte die Referentin. Unterstützt durch die damals ziemlich zersplitterte Territorienlandschaft ging es vor allem um Machtinteressen - "wie bei jedem Krieg, der sich hinter Religion versteckt", ergänzte Schäfer. Den vielen Kriegsopfern wurde, nachdem sie ihr Leben lassen mussten, selbst noch der letzte Funken Würde geraubt. Viele wurden einfach verscharrt, "ohne Licht und und ohne Kranz begraben", wie etwa aus dem Totenbuch von Schlüsselfeld anno 1632 hervorgeht.

Der Westfälische Friede war bei näherer Betrachtung eine Reihe von Friedensverträgen, die zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück geschlossen wurden. Doch es dauerte noch Generationen, bis sich die Dörfer und Städte in Franken von den schlimmen Folgen des Dreißigjährigen Kriegs erholten.

"Morgen kommt der Schwed"

In Bamberg etwa wurden erst hundert Jahre später wieder die ursprünglichen Bevölkerungszahlen erreicht. Stück für Stück eroberten sich die Menschen wieder ein wenig Normalität zurück. Doch der Schrecken des jahrzehntelangen Mordens, Plünderns und Zerstörens hallte noch lange Zeit nach. Welche Verwundungen der "Dreißigjährige Krieg" auch in den Seelen derer hinterlassen haben musste, die diese schreckliche Gräuelzeit überlebten, können wir heute nur erahnen durch eine einst vor diesem Hintergrund ersonnene Wiegenlied-Version: "Bet, Kindlein, bet! Morgen kommt der Schwed, morgen kommt der Oxenstern, wird die Kinder beten lehrn."

Es sind seit diesem dunklen Kapitel nun schon Jahrhunderte vergangen, auch der Zweite Weltkrieg liegt schon 74 Jahre zurück. Gerade angesichts der Konfliktherde überall auf dem Erdball und des unsäglichen Leids von Menschen in Krisengebieten sprach aus dem Beifall der Zuhörer im Anschluss an den gelungenen Vortrag auch die Dankbarkeit, dass wir in Deutschland heute in Frieden leben dürfen.