Künstliche Intelligenz fühlt nichts. Sie entscheidet rational nach den Kriterien, die vorgegeben wurden - und das sehr erfolgreich. Banken nutzen schon seit Jahren Algorithmen, um die Entwicklung der Finanzmärkte vorherzusagen.

Normale Arbeitnehmer, Familien und die Oma, die ihre Ersparnisse anlegen will, haben darauf keinen Zugriff. "Wir wollen Künstliche Intelligenz endlich auch für Privatanlegerinnen und -anleger nutzbar machen", sagt Franz Liebermann. Er ist Chief Financial Officer bei Sub Capitals, einem Startup, das seit 2017 besteht und sich vorgenommen hat, mit Künstlicher Intelligenz (KI) ganz neue Zugänge zu den Finanzmärkten zu schaffen. "Nach jahrelanger Entwicklung ist unser Algorithmus nun so weit, dass er vielversprechende Ergebnisse liefert."

Liebermann ist 25 Jahre alt und schon ein alter Hase in der Startup-Szene. Er hat an der Hochschule Coburg im Bachelor Automobiltechnik und Management studiert, seinen Master in BWL gemacht und war einer der Jungunternehmer, die aus der Hochschule heraus die Mobilitäts- und Pendler-Plattform movaco gegründet haben.

"Die Hochschule hat uns sehr geholfen", sagt er und erzählt von verschiedenen Netzwerken. Dieses Jahr ist er zu Sub Capitals gewechselt. "Die Gründer kenne ich auch schon seit Jahren." Firmensitz ist München. "Aber das halbe Team kommt aus Coburg." Studentin Anja Dinkel schreibt ihre Bachelorarbeit über Sub Capitals bei Prof. Dr. Victor Randall an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Coburg. "Und Sandra Hinkel studiert an der Hochschule Produktdesign. Sie erstellt das Erscheinungsbild, Corporate Design und gestaltet gerade unsere erste App", berichtet Liebermann.

Drei Kompetenzfelder der KI

Das Einzigartige an dem Unternehmen sei aber, wie es die Künstliche Intelligenz nutzt, erläutert Liebermann: "Unsere KI hat drei Kompetenzfelder. Erstens: Risikoanalyse. Die KI schätzt ein, ob die aktuelle Marktsituation eine normale ist oder nicht."

Corona wirbelte die Märkte im Frühjahr so durcheinander, dass auch die Robo-Advisor, also andere auf Algorithmen basierte Systeme, dem Crash nicht ausweichen konnten. Viele Anleger erlitten erhebliche Verluste. Das soll mit der KI von Sub Capitals vermieden werden. "Die Zeitreihenanalyse ist die zweite Kompetenz. Die KI nimmt in die Berechnung mit auf, wie sich der Chart zu welcher Zeit entwickelt hat. Wenn die Analyse der Vergangenheitsdaten ergibt, dass es wahrscheinlich ist, dass jetzt der Kurs fällt, sagt die KI: verkaufen!"

Bei der dritten Kompetenz arbeitet Sub Capitals mit dem ganz jungen Start-up WilTale zusammen, das sich noch in der Gründungsphase befindet. Die Gründer kommen ebenfalls aus der Hochschule Coburg, werden hier unterstützt und beschäftigen sich mit KI im Bereich der Nachrichten. Alle Medien berichten über Automobilhersteller xy? Positiv oder negativ? "Das bezieht unsere KI mit ein", sagt Liebermann und spricht von "Sentiment". Wo erfolgreiche Anleger und Finanzmanager ihrem Gefühl für den Markt folgen, scannt die KI die Nachrichten und errechnet daraus, wie sich die Stimmung an den Börsen auf den Markt auswirken könnte. red