Zur geplanten Schließung der VR-Bank-Filiale in Uetzing:

Durch die Omnipräsenz der Corona-Pandemie in den Medien geraten andere, lokale Themen und Probleme leicht ins Hintertreffen. Die Ende 2021 drohende Schließung der Uetzinger Filiale der Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein gehört leider dazu.

Zur Erinnerung: Im Januar 2020 hatte der Bankvorstand unter dem Deckmantel einer Änderung der Öffnungszeiten ganz beiläufig im allerletzten Satz eines Informationsschreibens an seine Kunden die Schließung der Bankfiliale bekannt gegeben. Sollte dies so eintreffen, würde das Aus genau 110 Jahre nach Gründung der Raiffeisengenossenschaft Uetzing im Jahr 1911 kommen. 1972 fusionierte die Raiffeisenbank Uetzing mit der Raiffeisenbank Staffelstein - damals sicherlich ein sinnvoller Schritt. In weiser Voraussicht ließ sich der Uetzinger Bankvorstand im sogenannten Verschmelzungsvertrag schriftlich zusichern, dass die Filiale in Uetzing weiterhin betrieben werden muss.

Doch von diesem Vertragsgegenstand will der jetzige Bankvorstand in Bad Staffelstein nichts mehr wissen. Ebenso unverständlich erscheint es, wenn solch weittragende Entscheidungen, wie sie die Schließung einer Filiale nun mal darstellen, ohne irgendeine Einbeziehung der betroffenen Mitglieder und damit der Miteigentümer der Bank getroffen werden. Keine Umfrage, keine Informationsveranstaltung, nicht mal ein vernünftiges Informationsschreiben, einfach nichts, was auch nur für ein Mindestmaß an Transparenz sorgen würde.

Der Grund für ein derartiges Vorgehen liegt auf der Hand: Der Bankvorstand ahnt beziehungsweise kennt das Ergebnis einer solchen Einbindung der Teilhaber: Diese würden sich wohl mit großer Mehrheit für den Erhalt der Filiale in Uetzing und wohl auch andernorts aussprechen und damit die Pläne des Vorstands durchkreuzen. Stattdessen haben Vorstand und Aufsichtsrat am grünen Tisch in einer Art Kabinettspolitik die Schließung beschlossen. Ist das nicht Verrat an der Grundidee einer Genossenschaftsbank und vor allem am eigenen Leitbild? Zu diesem betont die Bank auf ihrer eigenen Homepage: "Unsere Mitglieder sind zugleich Teilhaber der Bank und besitzen ein aktives Mitspracherecht." Man orientiere sich "an klar definierten Werten wie Fairness, Transparenz, Ehrlichkeit". Die Nähe zu Kunden und Mitgliedern sei wichtig. Deren Wünsche und Ziele stünden im Mittelpunkt, und Bankdienstleistungen orientierten sich an deren Bedürfnissen. Die Schließung der Uetzinger Bankfiliale und vor allem das dazugehörige Prozedere, möge es auch satzungskonform sein, steht im krassen Widerspruch zu diesen Vorgaben. Man fragt sich, wann Vorstand und Aufsichtsrat wirklich das letzte Mal das eigene Leitbild gelesen und vor allem verinnerlicht haben.

Massiver Protest aus dem oberen Lautergrund, eine Unterschriftenaktion, zahlreiche Gespräche sowie ein Protest von cirka 50 Uetzinger Kunden in der Bankzentrale haben die Verantwortlichen bislang nicht dazu bewegen können, zumindest den Fortbestand eines Geldautomaten als minimale Serviceleistung für die betroffenen rund 1200 Kunden zu gewährleisten.

Diese sollen jetzt alle nach Bad Staffelstein, um an Bargeld zu kommen. Dort sind die Parkplätze rund ums Rathaus bekanntermaßen rar. Die Stadtväter bemühen sich derzeit, den Verkehr in der Stadtmitte zu reduzieren. Die Geschäftspolitik der VR-Bank konterkariert dieses Ziel völlig, was eigentlich den Stadtrat auf den Plan rufen müsste.

Mit der drohenden Schließung der Bankfiliale Uetzing beweist die Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein, dass - bei allem Verständnis für die angespannte Situation im Bankensektor - letztendlich auch hier nur die blanken Zahlen regieren und der Service am Kunden wie auch die eigenen Werte unter den Tisch fallen. Schade.

Elmar Kerner

96231 Bad Staffelstein-Uetzing