Die Ende 2018 abgeschlossene, gut eineinhalbjährige Renovierung der Höchstadter Stadtpfarrkirche St. Georg gilt als gelungene, konservative Restaurierungsmaßnahme, die der Pfarrei inklusive der Orgelsanierung gut 1,9 Millionen Euro wert war.

An progressiven Maßnahmen fehlte es dennoch nicht. Den hell gestalteten Eingangsbereich umgibt ein Windfang aus Glas, in den mit einer Hebebühne ein behindertengerechter Zugang integriert wurde. Auch die neuen Beichtstühle mit ihrer Möglichkeit zur Gesprächsführung sieht man als moderne Neuanschaffung in den beiden Seitenschiffen. Die 14 Kreuzwegstationen hängen nunmehr zusammen im linken und rechten Seitenschiff, was zur Folge hatte, dass die hinteren beiden Pfeiler des Mittelschiffes ohne bildliche oder figürliche Darstellungen blieben.

Im März bereits schloss das Pfarramt eine dieser beiden Lücken. Zum Josefstag am 19. März brachte man eine im Pfarrhaus befindliche Figur des Heiligen Josef an einem der freien Pfeiler an. Die Herkunft der spätbarocken Darstellung erforscht derzeit Höchstadts Stadtarchivar Christian Plätzer.

Am heutigen Samstag wird die zweite Lücke geschlossen. Durch eine erfolgreiche Spendenaktion sieht sich der katholische Männerverein St. Michael in der Lage, am Ende seines 100. Jubiläumsjahres der Pfarrei eine Figur des Erzengels Michael zu schenken. Bereits der kürzlich verstorbene Ehrenvorsitzende des Vereins, Georg Söhnlein, hatte vor über einem Jahrzehnt eine solche Anschaffung angeregt.

Der Bezwinger Satans

St. Michael gilt in der biblischen Überlieferung der Apokalypse zum einen als der Bezwinger Satans, den er in einem Kampf besiegte. Zum anderen steht er als Sinnbild für Gerechtigkeit im Endgericht der Menschen, weshalb er eine Waage in Händen hält.

In romanischen und gotischen Kirchen gab es immer im Eingangsbereich eine St.-Michaels-Figur, einen St.-Michaels-Altar oder gar eine ganze, ihm gewidmete Kapelle. Das Böse sollte in einem Gott geweihten Haus außen vor bleiben.

Die von Ulrich Peratoner aus St. Ulrich im Grödner Tal geschaffene und barock gefasste Figur wird ab Samstag die Kirchenbesucher vom linken hinteren Pfeiler des Mittelschiffes beim Betreten der Stadtpfarrkirche begrüßen. Die Figur sollte als "Pförtner" im Eingangsbereich herausragen.

Obwohl die Größe der Figur dem Maßstab der bereits vorhandenen Figuren im Mittelschiff des Gotteshauses entspricht, wirkt St. Michael mit dem gestalteten Sockel und den mächtigen Flügeln, die einen natürlichen Abstand von der Wand zur Folge haben, wesentlich erhabener als die übrige Innenausstattung. Das Böse in Menschengestalt blickt die Kirchenbesucher fragend an, während die Gestalt St. Michaels in einem überhaupt nicht kampfeslustigen und friedfertigen Gesichtsausdruck die allegorische Botschaft der Christenheit zum Ausdruck bringt: Siegen wird das Gute.

Zur etwa zehn Minuten dauernden Einweihung am Samstag, 25. Juli, um 12 Uhr lädt das katholische Pfarramt St. Georg ein. Die 89-jährige Witwe Georg Söhnleins wird die Figur enthüllen. red