Lang war er auf deutschen Bühnen nicht zu sehen, Leo Falls "Fideler Bauer" - ein Meisterwerk der silbernen Ära. Die Coburger Sommeroperette setzt seit Jahren auf Kontrast: Mal ist es eine richtige Wiener Operette, dann das "ungarische Kolorit". Oder zwischen Kalmán und Abraham begeistert ein Musical-Klassiker.
In diesem Sommer steht nun eine veritable Wiederentdeckung für die meisten Freunde des Genres Operette bevor, denn "Der fidele Bauer" war seit Jahrzehnten selten zu erleben, betont Regisseur Claus J. Frankl. Das Textbuch, das Leo Fall vertonte, stammt von Meister Victor Léon, der kurz davor mit Franz Lehár und "Der lustigen Witwe" einen Erfolg kreierte. Immer auf Talentsuche engagierte der erfahrene Theatermann einen Kollegen und Konkurrenten Lehárs, den hochbegabten Leo Fall - und wieder ging die Rechnung auf.
Spielt die "Lustige Witwe" in den Salons, so führt uns der "Fidele Bauer" auf das Land. Die wahre Geschichte einer Bauern-Familie im Oberösterreichischen wurde dank der Originalität des Librettos und vor allem auf Grund der mitreißenden Musik von Leo Fall ein Publikums-Hit. In den letzten Jahrzehnten hatte es jedoch gerade dieser große Erfolg von Leo Fall in deutschen Theatern schwer, da ein Ensemble von Spezialisten gefragt ist, das den notwendigen oberösterreichischen Dialekt authentisch bringt.


Premiere am 10. August

Damit dies auf der Waldbühne Heldritt gewährleistet ist, arbeitet die Coburger "Sommeroperette" erstmals in Kooperation: Partner ist die Pramtaler Sommeroperette aus Oberösterreich. Dort wird schon im Juni gespielt, am 10. August hebt sich der Vorhang für die Premiere in Heldritt mit geplanten 12 Vorstellungen. Die Handlung spielt in Oberwang am Mondsee, dort lebt der Zipfelhauben-Bauer mit Tochter und Sohn - das "Heinerle" soll unbedingt studieren und ein besseres Leben führen. Doch die "lieben Kinder" haben ihre eigenen Wünsche.
Die populärste Melodie bis heute ist das Duett "Heinerle, Heinerle hab' kein Geld!". Beliebt wurde auch das Lied "Jeder tragt sein Pinkerl", "Wir waren unsrer Drei" sowie der Walzer "Und der Himmel hängt voller Geigen".


Altstadt-Serenade

Der Aufwand für diese Neuinszenierung ist beträchtlich. Neben den Solisten sollen Chor, Kinderchor, Tanzgruppe und Orchester für anspruchsvolle Unterhaltung sorgen.
Beliebte Zusatz-Veranstaltungen im Programm der "Coburger Sommeroperette" sind seit vielen Jahren die Matinee sowie die Altstadt-Serenade in Bad Rodach. Musiker des Orchesters präsentieren wiederum eine musikalische Reise um die Welt in Bad Rodach, Melodien zum Träumen und Mitsummen.
Die Matinee am Sonntag, 14. August, ist diesmal einem legendären Rundfunk-Kabarett gewidmet: Den "Insulanern" beim Rias Berlin. Günter Neumann, Erfinder beispielsweise der "Wirtshaus im Spessart"-Filme mit Liselotte Pulver, gründete 1948 sein Berliner Ensemble, das wegen der Insel-Lage West-Berlins "Insulaner" genannt wurde. Viele Texte sind nicht nur geistreich, sondern von teilweise frappierender Aktualität.
Für die Freunde der Insulaner ein nostalgischer Ausflug zum Erinnern, für Kabarett-Freunde Berliner Witz zum Entdecken. Denn, egal wie sehr die "Insel" West-Berlin gebeutelt wurde: "Der Insulaner verliert die Ruhe nicht, der Insulaner liebt keen Getue nicht!". Das Programm der Matinee, so Frankl, entstand in Zusammenarbeit mit der Berliner Günter-Neumann-Stiftung. Gestaltet wird die Matinee mit fünf Solisten sowie den Musikern von "Barfly", die bereits bei der Kollo-Matinee an gleicher Steller begeisterten. Zu Gehör kommen Chansons, Kabarettsongs sowie Sketche aus der Feder von Meister Günter Neumann. ct