Schwarzstorch und Wildkatze, Bachneunauge und Mühlkoppe - nicht nur seltene und bedrohte Arten, die im Frankenwald ihre Rückzugsgebiete haben, bedürfen des Schutzes. Auch bestimmte Waldgesellschaften mit ihren in Tausenden von Jahren gewachsenen typischen Pflanzenzusammensetzungen sollen künftigen Generationen erhalten bleiben.


Infoveranstaltung

Naturschutzfachleute der Regierung, der Forstverwaltung und von vier Landratsämtern waren jetzt eingeladen, um die forstliche Planung in den dafür ausgewählten Natura-2000-Schutzgebieten im Staatswald vorzustellen. Bei einer Informationsveranstaltung am Forstbetrieb Rothenkirchen wurde die Weichenstellung für den großräumigen Schutz von Waldlebensräumen für die kommenden zehn Jahre diskutiert.
Die Forstbetriebe Nordhalben und Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten zeichnen verantwortlich für zusammen rund 30 000 Hektar Staatswald in Nordbayern, etwa zwei Drittel davon im Frankenwald. Fast 4000 Hektar davon liegen in sogenannten Natura 2000-Schutzgebieten, das sind Flora-Fauna-Habitat (FFH) und Vogelschutzgebiete von europäischem Rang. Diese Waldbereiche sind von Experten der Bayerischen Forstverwaltung in früheren Jahren akribisch kartiert und ihr aktueller Schutzwert in sogenannten Managementplänen festgehalten worden.
Wie diese Handlungsanweisungen für den Waldnaturschutz nun in die Praxis umgesetzt werden, liegt in der Hand der Förster. Alexander Schnell, zuständig für die Forsteinrichtung - das ist die langfristige Forstbetriebsplanung im Staatswald - in Nordbayern, zeigte den amtlichen Naturschützern den nächsten Schritt dafür: Alle forstbetrieblichen Maßnahmen in den einzelnen Waldbeständen - seien es Holznutzungen, die Pflege oder die Pflanzung, eventuell auch die Unterlassung von Eingriffen - sind in den Schutzgebieten speziell auf den Schutzzweck ausgerichtet und für die nächsten zehn Jahre festgeschrieben.
Auch wenn in den insgesamt 15 verschiedenen Naturschutzgebieten der beiden Forstbetriebe nach bestimmten Charakterarten wie der Mopsfledermaus oder dem Steinkrebs gezielt gesucht werde, hier gehe es vor allem um die ungestörte Weiterentwicklung der gesamten naturnahen Waldgesellschaft als Lebensraum. Die dabei ausgeschiedenen "Lebensraumtypen" wie der eher weiter verbreitete Waldmeister-Buchenwald seien ebenso kartiert wie die meist nur kleinräumig vorkommenden Schlucht- und Hangmischwälder oder die Schwarzerlen-Eschen-Auenwälder.


Von 20 bis über 1000 Hektar groß

Die Größe der ausgewiesenen Schutzgebiete im Frankenwald reiche dabei vom FFH-Gebiet Haderholz bei Tettau mit etwa 20 Hektar bis zu den Tälern und Rodungsinseln im Frankenwald, an dem beide Forstbetriebe einen Anteil von über 1000 Hektar haben, unter anderem mit dem Geroldsgrüner Forst und dem Mäusbeutel nahe der Ködeltalsperre. Beispielhaft stehe bei diesen beiden großen Laubwaldgebieten neben dem Erhalt der Baumartenzusammensetzung die Weiterentwicklung von Altholzinseln mit Schwarzspechthöhlen oder die Anreicherung von Totholzvorräten im Rang weit vor der Holznutzung.
Klaus Stangl, der Leiter des regionalen Natura-Kartierteams von Oberfranken, bedankte sich für die aus seiner Sicht "vorbildliche Umsetzung" der FFH-Managementpläne in die Forstbetriebsplanung. red