Wort zum Sonntag für

26. September.:

V on einem alten chinesischen Kaiser wird berichtet, dass er das Land seiner Feinde erobern und sie alle vernichten wollte. Später sah man ihn mit seinen Feinden speisen und scherzen. "Wolltest du nicht die Feinde vernichten?", fragte man ihn. "Ich habe sie vernichtet", gab er zur Antwort, "denn ich machte sie zu meinen Freunden!"

Man kann seine Feinde oder politischen Gegner verachten, sie hassen, ihnen das Leben schwer machen, es gibt aber auch die Möglichkeit, sich irgendwie mit ihnen zu arrangieren.

Bestimmt macht jeder Mensch die Erfahrung, dass andere die Art und Weise, wie man das eigene Leben gestaltet, etwas belächeln oder nicht ganz für voll nehmen. Man könnte mit Drohgebärden auf solche als Gegner erkannte Menschen losgehen. Es macht aber das eigene Leben nicht besser, weil man dann mit der Angst leben muss, es irgendwann heimgezahlt zu bekommen.

Für Christen gibt es einen besseren Weg. Es steht nicht immer nur unser "Ich" im Vordergrund, sondern auch die Beziehung zum Mitmenschen. Neben der Selbstliebe hat uns Jesus auch die Gottesliebe und die Nächstenliebe ans Herz gelegt.

Dennoch stolpern wir immer wieder über unseren Egoismus, wie auch die Jünger im 9. Kapitel des Markus Evangeliums. Sie pochen auf ihre Privilegien: Das geht doch nicht an, dass jemand im Namen Jesu Menschen heilt, ohne zu ihrer Gemeinschaft zu gehören. Ist da Eifersucht im Spiel, oder auch Neid?

Jesus hält ihnen auf jeden Fall eine Aussage entgegen, die für sie schwer verdaulich war: "Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns." (Mk 9, 40) Diese Aussage im Evangelium des Markus ist ein Fingerzeig an manche Engherzigkeiten der Jünger, und wir dürfen das gerne in die heutige Zeit übertragen.

Diese offene Grundhaltung Jesu ist wichtig: Hauptsache man ist nicht gegen uns, dann ist jeder willkommen.

Im Blickwinkel des Evangelisten Markus sehen wir eine Gemeinde, die Jesus so erlebt, dass er seinen Jüngern deutlich macht, dass es auch außerhalb des engsten Kreises um ihn ein heilvolles Leben gibt. Jesus erinnert vor allem auch seinen engsten Jüngerkreis daran, nicht nur um sich selbst kreisen.

Es ist von daher auch heute wichtig, dass man den Blick über die Kirchenmauern hinaus richtet. Der Zusammenschluss von gläubigen Christen in einer Kirche darf nichts Exklusives sein, sondern muss einladend sein und jeden integrieren wollen, der im Sinne Jesu handelt.

Der alte chinesische Kaiser hat begriffen, dass das gegeneinander seines Reiches gegenüber den anderen Ländern nichts bringt. Er hat sich für die anderen geöffnet, seine Feinde - die Andersdenkenden - zum Gespräch und Miteinander eingeladen, und sie so zu seinen Freunden gemacht.

Ein gutes Modell, auch für die Kirche in der heutigen Zeit und ihren neuen und vielfältigen Herausforderungen: Sich Verabschieden von den Grabenkämpfen in Verteidigungshaltung und stattdessen auf die Menschen zugehen, ganz bei ihnen sein und das Gespräch suchen, und so zu einer echten menschlichen Gemeinschaft beitragen.

In der Taufe sind alle Christen in die Verantwortung genommen, ihren - wenn auch noch so kleinen - Beitrag für ein gelingendes Miteinander zu leisten.

Hoffentlich finden wir heute genügend gute Kochrezepte für ein Miteinander in den unterschiedlichsten Haltungen und Meinungen, damit wir im Beisammensein jegliche Feindschaft vernichten. Das klingt so leicht, kann das wirklich sein? Es mal auszuprobieren, kann zumindest nicht schaden.

Pfarrer Thomas Eschenbacher

Hammelburg