Gremsdorf — 21 Fachschüler haben nicht nur ihr Klassen-, sondern sogar ihr Schulziel erreicht. Sie haben die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und zum Heilerziehungspfleger an der Fachschule der Barmherzigen Brüder Gremsdorf erfolgreich beendet. 15 Absolventen sind frisch gebackene Heilerziehungspflegehelfer.
Das Leben gleiche einem Schnellzug, in dem wir unterwegs seien, dieser Metapher bediente sich Seelsorger Peter Jankowetz im Abschlussgottesdienst der Fachschule für Heilerziehungspflege/-hilfe. Und in diesem Zug des Lebens fahren die Passagiere letztlich dann gut, wenn sie so bleiben dürfen, wie sie nunmal sind. Denn auf der Lebensfahrt zähle bei Weitem nicht Schönheit oder Reichtum, normal oder unnormal beziehungsweise die mutmaßlich richtige Lebenseinstellung oder Lebensweise.
Die Lebensfahrkarte weise, so Jankowetz, einen jeden als im Mittelpunkt stehend aus. "Und Gott steht daneben, weil er neben jedem steht." Für ihre nahe Zukunft wünschten sich die Fachschulabsolventen unter anderem einen guten Einstieg für ihre nächste Lebensreise, einmal mehr Zeit haben für sich selbst oder auch "von Gremsdorf hin zur eigenen Familie". Diese Bitten schickte sie per Luftballon gen Himmel.
Schulleiter Andreas Keidel nahm zu Beginn seiner Festrede Bezug auf die Frage aller Schülerfragen: Wozu müsse man so viel wissen, so viel an Theorie pauken. Alles Wissen sei ja doch irgendwo auf der Welt gespeichert; man müsse es einfach nur abrufen.
Nach Keidel sei jedoch "Wissen viel mehr als bloßes Abspeichern". Wissen beinhalte die "Fähigkeit zur Selektion, zur gezielten Auswahl". Als Heilerziehungspfleger genüge es dann eben nicht nur, das Verhalten eines anderen Menschen zur Kenntnis zu nehmen. Mithilfe gelernter und verstandener Theorien könnten Fachkräfte viel eher und besser fragen, analysieren und überprüfen.

Die Auseinandersetzung suchen

Der Schulleiter sprach aber auch das "Problem der Fehler" an. Und er betonte ausdrücklich, Fehler keineswegs gleichzusetzen mit Versagen. Vielmehr könnten Fehler wichtige Grundlagen fürs Lernen und Wissen sein. "Einen Fehler zu machen und dies zu erkennen, heißt, etwas gelernt zu haben." Wichtig sei die Bereitschaft, so Andreas Keidel, aus der Erkenntnis heraus die Notwendigkeit zum Handeln abzuleiten.
Und Keidels Aufforderung an die scheidenden Schüler lautete schließlich: "Suchen sie als Fachkräfte mit Wissen durchaus die Auseinandersetzung, auch um der Menschen willen, die sie künftig begleiten werden - auch wenn dies unangenehm sein könne. Denn, wenn der Klügere, also der Wissende immer nachgäbe, gäbe es keinen Fortschritt, sondern Stillstand - eine Herrschaft der Dummen."
Wenn auch ihr weiterer Lebensweg immer wieder mit "kleinen Fehlschlägen" gepflastert sein werde, so sollten die examinierten Schüler niemals ihren Blick auf das große Ganze verlieren. Und dann "fällt vielleicht auch ihr Blick auf Gott als den Felsen ihres Heils", mit diesen Worten verabschiedete der Vertreter des Ordens der Barmherzigen Brüder, Frater Eberhard Michl, die Schüler.
Schließlich wurden noch die Jahrgangsbesten ausgezeichnet. Jonas Thissen schloss seine Heilerziehungspfleger-Ausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,20 ab. Ihm folgten Manuel Scheller (1,70) sowie Lena Altenbuchner und Sophie Boutelant (1,90). Die Besten des Helferkurses waren Marina Schmeuser (1,27), Silvia Chrappek (1,36) und Silke Scholz (1,73).
Johannes Salomon