Einsam wanderte Georg Lunz über den Kunstrasenplatz beim FC 05 Schweinfurt II und rang minutenlang mit seiner Fassung. Kurz zuvor war das Spiel des FC Eintracht Bamberg 2010 in der Fußball-Landesliga Nordwest beim Tabellenführer FC 05 Schweinfurt II abgepfiffen worden. Das Endergebnis: Schweinfurt vier, Bamberg null.
Gut, beim Tabellenführer darf ein Schlusslicht verlieren, auch mit 0:4 (0:2). Doch die Art und Weise, wie die Bamberger verloren haben, hatte mit Fußball nicht so viel zu tun.
"Wir waren einfach nur schlafmützig, drei der vier Gegentore fielen nach individuellen Fehlern und fehlender Zuordnung", so Lunz. Um es ganz deutlich zu sagen: Schweinfurt war für Bamberg zwei Nummern zu groß. Was die Schweinfurter im Übermaß besaßen, nämlich Spielwitz, Zuordnung, Umschaltspiel, Passgenauigkeit und Effektivität nach glänzend herausgespielten Torchancen, hatten die Bamberger gar nicht erst zum Auswärtsspiel mitgenommen.
Immer, wenn die Schweinfurter mit schnellem Kurzpassspiel die Bamberger Abwehr ausgehebelt hatten - was mit einer aus Bamberger Sicht beschämenden spielerischen Leichtigkeit ein Dutzend Mal gelang -, sah sich Torhüter Matthias Kühhorn oft genug gleich zwei oder drei frei auf ihn zulaufenden Stürmern ausgesetzt. Viermal trafen die Schweinfurter Angreifer auf diese Weise, mal auf Flanke von links oder von rechts und nach Kurzpässen, viermal vergaben sie recht knapp. Zweimal trug sich Christoph Schmidt in die Torschützenliste ein, je einmal trafen Lukas Illig und Max Hillenbrand.
Dieses schnelle Kurzpassspiel in die Bamberger Abwehrlücken hatte der Schweinfurter Trainer Uli Baumann trainieren lassen, "denn ich weiß, dass sie hinten immer wieder Lücken aufweisen". Nach vorn ging beim FCE sowieso nichts. Dafür war zum einen der Gast zu schwach, zum anderen Schweinfurt zu stark. Die gefährlichste Bamberger Chance hatte Andre Jerundow mit einem direkten Freistoß von der Strafraumgrenze, den der ansonsten unterbeschäftigte FC-Keeper Julian Glos über die Latte lenkte. Da stand es schon 3:0 für Schweinfurt.
Fast 35 Minuten spielte Bamberg zudem in der zweiten Halbzeit in Unterzahl, weil sich Gabriel Jessen verletzt hatte und Lunz sein Einwechselkontingent schon in der Halbzeitpause voll ausgeschöpft hatte. Das soll aber keine Entschuldigung sein für die schlechte Leistung, mit der sich die Bamberger von den Schweinfurtern am Nasenring über den Platz haben führen lassen. "Die Vorbereitung war super, und jetzt eine solche Leistung, das war mehr als nur ein Klassenunterschied", war Lunz entsetzt. Von einer Landesliga-Leistung jedenfalls war Bamberg an diesem Tag Lichtjahre entfernt. chu