Stephan Herbert Fuchs

Auf offener Straße waren zwei Männer aus einem Übergangswohnheim in Neuenmarkt am 19. Februar dieses Jahres aneinandergeraten. Dabei soll ein 33-jähriger Nigerianer einen 21-jährigen Landsmann mit zwei Faustschlägen brutal niedergestreckt haben. Der Prozess wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht musste allerdings aufgrund von Sprachschwierigkeiten ausgesetzt werden. Ein Augenzeuge spricht weder deutsch noch englisch, sondern nur eine eritreische Sprache. Dafür muss jetzt ein Dolmetscher gefunden werden.

Notwendig ist der Aufwand, weil der Angeklagte mehr oder weniger abstreitet, sein Gegenüber geschlagen zu haben. Beide waren damals in der gleichen Wohnung des Übergangsheimes untergebracht. Dabei soll es ständig zu Streitereien gekommen sein.

Am 19. Februar gegen 18.15 Uhr traf man dann aber in der Nähe des Bahnhofs doch aufeinander. Wer wen zuerst angerempelt und geschubst hatte, konnte noch nicht geklärt werden. Die Streithähne bezichtigen sich gegenseitig, mit den Pöbeleien begonnen zu haben. Er habe sich nur gewehrt, beteuerte der Angeklagte. Sein Kontrahent habe ihm dagegen auf die Brust geschlagen, ihn mit seinen schweren Arbeitsstiefeln getreten und schließlich einen schweren Stein nach ihm geworfen. Als er seinem Kontrahenten später auf dem Flur begegnete, sei der sogar mit einem Messer auf ihn losgegangen.

"Nichts davon ist wahr", sagte der 21-Jährige, der als Lagerarbeiter tätig ist und am Tattag gerade von der Arbeit nach Hause ging. "Er hat mich geboxt, mitten ins Gesicht", so der Mann, der aus der Auseinandersetzung Schwellungen an der Stirn und am Auge davontrug. Mittlerweile sei man zwar immer noch im gleichen Heim, aber in verschiedenen Stockwerken untergebracht, so dass es nicht mehr so oft zu Auseinandersetzungen komme.

Aufklärung erhoffte sich das Gericht nun von einem Mann, der zwar dabei, der aber nicht an dem Streit beteiligt war. Doch Richterin Sieglinde Tettmann musste schnell feststellen, dass der Mann nicht einmal die übliche Belehrung verstand. Ein Dolmetscher für Tigrinisch, der Amtssprache von Nigeria, war nicht anwesend. Also blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als das Verfahren auszusetzen und in einigen Wochen dann noch einmal neu zu starten - dann mit Dolmetscher.