von unserer Mitarbeiterin Uschi Prawitz

Kulmbach — Der Foto-Amateur-Club Mainleus/Kulmbach zeigt in der zweiten Etage des Einkaufszentrums "Fritz" erneut eine interessante Fotoausstellung. Dieses Mal heißt es "Auf die Finger geguckt".
Das Flechthandwerk hat im Kreis Lichtenfels eine lange Tradition, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Georg Klerner-Preiss vom Fotoclub Michelau mit diesem Thema beschäftigt, zumal er das Handwerk der Korbflechter als gebürtiger Michelauer quasi mit der Muttermilch eingesogen hat.
"Es war mir wichtig, das handwerkliche Geschick und den Fleiß der Korbflechterinnen und Korbflechter zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", erklärte der Hobby-Fotograf bei der Vernissage. Die Heimat gehöre ohnehin zu seinen bevorzugten Fotomotiven, und da er sich dem Michelauer Korbmuseum eng verbunden fühle, lag es für ihn nahe, eine Fotoserie zu erstellen.

Exponate in Szene gesetzt

Auf den Bildern sind verschiedene Handwerker bei der Ausübung ihrer Arbeit zu sehen, oder schöne Exponate wurden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Entstanden sind die Werke allesamt während der sogenannten Lebenden Werkstätten im Deutschen Korbmuseum Michelau, die alljährlich jeden Samstag von April bis Oktober stattfinden. Dort kann man dann tatsächlich live den Korbmachern auf die Finger gucken, so auch Flechtmeisterin Gitti Klitzner, die extra zur Vernissage gekommen war und den Interessierten zeigte, wie man mit einem Weidenhobel die Dicke der Weidenschiene, so nennt man das Flechtmaterial, bestimmt.
Ihr Wissen zu vermitteln, fällt ihr dabei nicht schwer, denn die spät berufene Flechtmeisterin, die erst mit 43 Jahren umsattelte und ihre Ausbildung machte, unterrichtet inzwischen an der staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerk. "Ich habe das Gefühl, dass der Beruf wieder ein wenig Aufschwung erfährt", sagte die Flechtbegeisterte und verwies auf 17 Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr. Dabei sei jede Altersgruppe vertreten, von 15 bis 59 Jahren.
Ebenfalls der Flechtkunst verfallen ist Sylvia Dänner, die quasi als Autodidaktin ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Seit 30 Jahren repariert sie nebenberuflich das Flechtwerk von Stühlen oder fertigt auf Bestellung Körbe und Schultüten an.

Handwerk ohne Maschinen

Kaufen kann man die fertigen Kunstwerke dann im Korbmuseum während der Lebenden Werkstätten, an denen sie auch aktiv teilnimmt. "Ich hatte damals in der Korbflechterei einer Bekannten im Verkauf gearbeitet, aber irgendwann wollte ich mehr können und ließ mir das Flechten beibringen", erzählte die Autodidaktin, die im "Fritz" vorführte, wie ein Stuhlgeflecht entsteht.
"Wenn man die Leute im Korbmuseum sieht, sind sie oft ganz verwundert, dass es keine Maschinen zu sehen gibt", sagte Mike Schwalbach, Vorsitzender des FAC Mainleus/Kulmbach, in seiner Begrüßung. "Es ist ein Handwerk, das tatsächlich noch von Hand ausgeübt wird, und die Flechter sind wahre Künstler."
Auch stellvertretende Landrätin Christina Flauder und Stadtrat Horst Zahr lobten den Ansatz des Fotografen Klerner-Preiss, dem Handwerk so auf die Finger zu schauen und der Öffentlichkeit dadurch ein Bild von der Schwierigkeit, dem Wissen und Können zu vermitteln, die sich hinter der Flechtkunst verbergen.
Zu sehen ist die Fotoausstellung zu den Öffnungszeiten des "Fritz" noch bis 19. September.