Ebrach — Beim Ebracher Ostermarkt am morgigen Palmsonntag kann ein imposantes Fastentuch in der ehemaligen Klosterkirche bewundert werden. Es galt als verschollen und ist nur noch wenigen in Erinnerung geblieben, teilt die Verwaltungsgemeinschaft Ebrach fest.
Das fast sechseinhalb Meter hohe und fünf Meter breite Fastentuch befindet sich in erstaunlich gutem farblichen Zustand, lediglich an der oberen Aufhängevorrichtung sind etliche Stoffschäden vorhanden. Das Tuch zeigt ein großes Kreuz mit Marterwerkzeugen und kniend davor Maria und Johannes.
Die frühere Mesnerfamilie Weininger wie auch Altbürgermeister Alfons Keller erinnern sich noch, dass dieses Tuch Anfang der 60er Jahre letztmals in der Fastenzeit über dem Hauptaltar aufgezogen worden ist. Warum dieser alte Brauch, der in Europa wohl um 1000 entstanden war, nicht mehr fortgeführt wurde, ist nicht bekannt. Das nun vorliegende Tuch wird auf die Zeit um 1750 eingestuft.
Der Gebrauch der Fasten- oder Hungertücher wurde in der Fastenzeit gepflegt und dauerte von Aschermittwoch bis Karsamstag und war für die Gläubigen eine Zeit der Entsagung, Buße und Besinnung zur Einstimmung auf das Osterfest. Mit dem Tuch wurden Altäre, Reliquien, Bilder und ganze Altarräume verdeckt. Sie wurden im Chor vor und über dem Hauptaltar aufgehängt, um der Gemeinde den Blick auf das Allerheiligste zu verwehren. red