Kulmbach — "Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." Dieser Aphorismus von Albert Einstein bringt auf den Punkt, was die Schüler der neunten Klassen des Caspar-Vischer-Gymnasiums im übergreifenden Projekt "Les-Art" der Fächer Deutsch und Kunst diesmal auf die Bühne der Schule gezaubert hatten.

Anfang des letzten Jahrhunderts

Mit schier grenzenloser Fantasie hatten sie sich eigenständig und kreativ mit Gedichten der 1920er-Jahre auseinandergesetzt - von Stramm, Kästner und Tucholsky bis Brecht, von expressionistischer Sprachzertrümmerung bis hin zur politischen Lyrik, Antikriegsgedichten und der neuen Sachlichkeit.
Vielfältig, verblüffend und tiefgründig waren die Zugänge, die sie in der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Gedichten fanden; magisch die Bilderwelten, die sie in einer multimedialen Mischung aus filmischen Experimenten, Projektionen, Performance, Klängen, Texten und Theater schufen.
Mal ließ Robert Wilson grüßen, mal tauchten die Zuschauer ein in surreale Welten.
Da wurden augenzwinkernd die oberflächlichen, dauernd plappernden Mädchen karikiert, die am hübschesten sind, wenn sie ganz einfach den Mund halten; oder aber ein Kartenspiel entpuppte sich als grotesk-existenzielles Drama. Die Suche nach dem eigenen Lächeln führte zu einer blutigen Erkenntnis, die Augen der Großstadt verfolgten die Akteure und das Publikum gleichermaßen. Soldaten schwenkten Gewehre, anonyme Wesen lösten sich auf im Schwarz-Weiß der Projektionen.
Schlag auf Schlag kamen die Ideen, viel zu schnell ging die Aufführung vorüber. "Das war einfach grandios, im besten Sinne fantasievoll und fantastisch. Man hätte noch stundenlang zuschauen können", lobte denn auch die Schulleiterin. "Kaum zu glauben, dass das, was wir hier gesehen haben, das Werk von Schülern ist. Selbst Profibühnen können sich ein Stück davon abschneiden."
Sie betonte, dass die Schüler viel Zeit - selbst in den Osterferien - und viel Herzblut in ihre Projekte investiert hatten. Sie hatten sich in ihren Gruppen zusammengesetzt, konzipiert, gefilmt und geprobt. Das Ergebnis war ein Gesamtkunstwerk - und die Mühen mehr als wert.
Beschwingt und inspiriert wurden die Zuschauer, die zum Teil nicht einmal mehr einen Sitzplatz im übervollen Zuschauern bekommen hatten, wieder in die laue Maiennacht entlassen. red