Wohl selten war ein Künstler trotz seiner Abwesenheit so präsent wie der verstorbene Dr. Joachim Hildebrandt, als am Sonntagmorgen in der Galerie in der Spitalgasse die Ausstellung "In memoriam Joachim Hildebrandt" eröffnet wurde. Das lag nicht allein an dem lebensgroßen Portrait des Lichtenfelser Arztes und Fotoschaffenden gleich neben der Eingangstür, sondern auch an den rund 40 Fotografien, die das Schaffen des begeisterten Amateurfotografen widerspiegelten.
"Es ist wichtig mit dieser Ausstellung auf das sehr umfangreiche, sehr erfolgreiche und immer wieder beeindruckende Lebenswerk des leidenschaftlichen Fotografen Joachim Hildebrandt zu schauen", betonte die Innenarchitektin und Malerin Sabine Gilde in ihrer Einführung, und sie sprach damit den Anwesenden aus dem Herzen.
Vieles verband die Besucher mit dem Verstorbenen. Gekommen waren die Fotofreunde und Wegbegleiter aus Lichtenfels, Coburg, Mainleus-Kulmbach und sogar aus Hof. "Er fehlt uns allen, jedem auf seine Weise", betonte völlig zu Recht Helga Blomeier von der Kunst- und Kulturinitiative Lichtenfels.


Vielgestaltige Schaffensphasen

Das Lebenswerk eines derartig aktiven und engagierten Fotografen in rund 40 Bildern zusammenzufassen, muss zweifellos lückenhaft bleiben. Von einem "Spotlight" auf die vielgestaltigen Schaffensphasen sprach deshalb sein Sohn Christian Hildebrandt. Gemeinsam mit seiner Mutter Annette Hildebrandt hatten beide die Schwerpunkte auf fränkische Landschaften, lebendige Streetfotografie, die Portraits namhafter Künstler und nicht zuletzt auf die dokumentarisch gestalteten, aber auch künstlerisch grafisch ausgearbeiteten Architekturfotografien gesetzt.
Gerade in den letzten 20 Jahren seines fotografischen Schaffens hatte sich Joachim Hildebrandt der Architekturfotografie verschrieben und diese zur Meisterschaft entwickelt. Die spektakulären Bauten der renommierten Pritzker-Preisträger, die visionären Bauten seines Lieblingsarchitekten Santiago Calatrva führten ihn an Orte in aller Welt, und er verstand es, die architektonischen Meisterwerke in seine Sprache umzusetzen und dem Betrachter einen Aspekt zu vermitteln, wie ihn dieser zuvor noch nicht gesehen hatte. Er übersteigerte die dokumentarische Sicht bis hin zur abstrakten, die Gegenständlichkeit im Spiel von Fläche und Linie verlierenden Kunstfotografie. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Die Bilder nehmen den Betrachter mit in eine Welt der Schönheit und Ästhetik voller Intensität, Kraft, Dynamik und Vitalität.
Geprägt von der Bild- und Farbenlehre des Fotodesigners Harald Mante pflegte er einen Stil, den er selbst als "konservativ und plakativ" beschrieb. Er reduzierte die Architektur auf spannungsvolle Kontraste in Form und Farbe, spielte meisterlich mit der Symmetrie, Flächen und diagonalen Linien und der Lage des Horizonts.
Wie alle engagierten Amateurfotografen war Joachim Hildebrandt ein Getriebener, der Konkurrenz und den Wettbewerb in den verschiedensten Fotoclubs suchte. "Er war stets motiviert, ein gutes Bild zu machen und genoss die tiefe, aber nicht anhaltende Befriedigung, ein gutes Bild gemacht zu haben", brachte es Sabine Gillde auf den Punkt. Die Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten. Er war vielfach ausgezeichnet als Deutscher Fotoclubmeister, erhielt den Ehrentitel vom Weltverband der künstlerischen Fotografie zuerkannt. Er beteiligte sich erfolgreich an hochrangigen internationalen Fotoausstellungen und fand in der Heimat Anerkennung als Träger der Kulturmedaille der Stadt Lichtenfels und im Coburger Kunstverein. In Magazinen, Reiseführern und Zeitschriften wurden seine Fotografien veröffentlicht.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage in der Spitalgasse vom Jazzduo "Dav 'n' Mor" mit Dave Bailey mit seiner Klarinette und dem Altsaxophon im Zwiegespräch mit Moritz Eisentraut und seinem virtuosen Gitarrenspiel. Arndt Schille, Kulturreferent der Stadt Lichtenfels, überbrachte, die Grüße der Stadt und eröffnete offiziell die Bilderschau. Besuchen kann man die überaus sehenswerte Ausstellung jeweils am Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt. Die Bilder werden noch bis zum 11. Juni zu sehen sein.