Als Sabine Wagner vor zwei Jahren die Arbeit in der sozialen Wohnungsbörse "Fair Mieten" des Caritasverbandes Haßberge aufnahm, wusste sie, dass das keine leichte Aufgabe ist. Wie stark sich ihr Tätigkeitsfeld entwickeln würde, ahnte sie aber wohl nicht. Suchten sozial Schwache im Landkreis bisher vorwiegend kleinere Wohnungen, sind heute von Flüchtlingsfamilien eher große Wohnungen nachgefragt, weil die Familien wesentlich größer sind. An einem hat sich aber nichts geändert: Es gibt im Landkreis Haßberge viel mehr Wohneigentum als Mietwohnungen.
Sabine Wagner ist keine Wohnungsmaklerin im eigentlichen Sinne. Sie versucht, Wohnungen aktiv zu akquirieren und bei den Vermietern Vorurteile abzubauen sowie Vertrauen zu schaffen. "Wenn die Eigentümer merken, da steht die Caritas dahinter, die Mieter werden auch beraten und begleitet, ist es für viele leichter, auch an sozial Schwache oder anerkannte Asylanten zu vermieten", erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Eng arbeitet sie in den letzten Monaten auch mit Siza Zaby zusammen. Sie ist im Auftrag des Landratsamtes Integrationslotsin. Da mittlerweile viele Asylsuchende vor allem aus Syrien anerkannt sind, gelten sie in den dezentralen Unterkünften als Fehlbeleger. Wo die Mietverträge für die Unterkünfte auslaufen, bemüht sie sich, dass die Eigentümer im Anschluss direkt mit den dort wohnenden Familien Mietverträge abschließen. "Da kennt man sich schon, meist funktioniert das sehr gut", freut sich Zaby, denn der Bedarf ist groß.
Zum Gespräch mit Sabine Wagner hat sie Informationsmaterialien mitgebracht, die das Umweltbildungszentrum, kurz Ubiz, in Oberschleichach zum Thema Mülltrennung, Energiesparen, Heizen und Lüften in verschiedenen Sprachen gezielt für die Asylsuchenden erstellt hat. "Das sind natürlich Themen, mit denen man in Syrien oder Afghanistan wenig zu tun hat, aber das wurde in den Unterkünften schon gut eingeübt, da müssen die Vermieter keine Angst haben", erklärt Siza Zaby.
348 Wohnungssuchende haben im vergangenen Jahr persönlich bei "Fair Mieten" vorgesprochen und nach preisgünstigem Wohnraum nachgefragt. Die größte Gruppe sind weiterhin die Alleinstehenden mit 162 Personen. Die Zahl der Flüchtlinge hat sich im vergangenen Jahr vervierfacht, und zwar von 40 im Jahr 2015 auf 160 im Jahr 2016.
Das größte Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage herrscht immer noch bei den Alleinstehenden, denn es gibt im Landkreis Haßberge faktisch keinen Markt für preisgünstige Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Fast hoffnungslos sei die Vermittlung von Alleinstehenden, bedauert Sabine Wagner. Deshalb rät sie alleinstehenden Flüchtlingen zu Wohngemeinschaften, was mehrfach geklappt hat. Die meisten Menschen, die bei "Fair Mieten" vorsprechen bevorzugen Wohnungen in der Mainlinie, auch wegen der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Im vergangenen Jahr konnte Sabine Wagner 88 Personen beziehungsweise Familien eine Wohnung vermitteln. Allerdings dürfte die tatsächliche Zahl weitaus höher liegen, weil sich die meisten Wohnungssuchenden und auch die Vermieter nach Abschluss eines Mietvertrages in der Regel nicht melden. Das ist für Sabine Wagner ein positives Zeichen dafür, dass alles klappt. Wenn es nämlich Probleme gibt, dann erfolgt schnell eine Rückmeldung und dann versuchen die Allgemeine Sozialberatung der Caritas oder die Caritas-Asyl-Sozialberatung Hilfestellung zu geben.
Sabine Wagner appelliert an alle Eigentümer von potenziellen Mietwohnungen oder Häusern, sich bei "Fair Mieten" zu melden. Wenn jemand Bedenken hat, dass die Miete nicht regelmäßig gezahlt wird, könne auch vereinbart werden, dass diese direkt vom Jobcenter überwiesen wird. Sabine Wagner hat Verständnis dafür, dass manche Vermieter Bedenken haben bei manchen Wohnungssuchenden; deshalb liegt ihr viel daran, das Kennenlernen im Vorfeld des Mietvertrages zu unterstützen. Manche Vermieter seien auch sehr sensibel für verschiedene Problemlagen, etwa für Flüchtlinge, aber auch für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Die Caritas vermittle auch Hilfen.
Die Caritas-Beratungsstelle "Fair Mieten" ist unter der Rufnummer 09521/6910 erreichbar, die zuständige Mitarbeiterin auch per E-Mail unter swagner@caritas-hassberge.de. sw