Andreas Scheuerer Fritz Popp kann sich nicht vorstellen, wie es nun weitergeht. Seit gut einem halben Jahrhundert ist der 76 Jahre alte Rentner und Gründer von Reifen Popp aus Mühlhausen leidenschaftlicher Motorradfahrer. Ausflüge mit seiner Maschine unternimmt er am Wochenende, weil er unter der Woche noch im Geschäft seines Sohnes mithelfen muss. Für das sonntägliche Fahrverbot, das der Bundesrat nun initiiert hat, hat Popp kein Verständnis. "Wann soll ich dann noch fahren?"

Mit dem Beschluss setzt sich der Bundesrat dafür ein, den Lärm von Motorrädern zu verringern. Die zulässigen Geräuschemissionen sollen auf höchstens 80 Dezibel begrenzt werden. Außerdem fordert der Bundesrat die Bundesregierung auf, zeitliche beschränkte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen zu erwägen. Das Ländergremium will damit nachhaltige und lärmarme Mobilität stärken, heißt es in der Beschlussvorlage. Ein abschließendes Urteil ist der Beschluss aber nicht. Zur Umsetzung bräuchte es die Zustimmung der Bundesregierung.

Um gegen das drohende Fahrverbot vorzugehen, haben Biker in den vergangenen Wochen bundesweit zu Demonstrationen aufgerufen. Vor zwei Wochen protestierten rund 10 000 Motorradfahrer in München, obwohl Behörden die angekündigte Demonstration untersagt hatten. Sie zogen durch die Stadt und behinderten den Verkehr auf dem Mittleren Ring. Zeitweise mussten Tunnel gesperrt werden, was die Behörden aber auf eine Panne zurückführen. Für heute, Samstag, ist eine solche Demonstration in Nürnberg angekündigt.

Unterstützung erhalten die Proteste von vielen Motorradfahrern aus Höchstadt. Zwar werde er nicht an der Nürnberger Demonstration teilnehmen, sagt Popp, die Aktion hält er aber für richtig. Er könne nicht nachvollziehen, warum sich die Menschen über zu laute Motorräder aufregen. Schließlich seien die Maschinen über die Jahre immer leiser geworden. Das zeige schon die Tatsache, dass ältere Maschinen wegen der Dezibelbegrenzung oft nicht in Ländern wie Österreich oder die Schweiz einreisen dürfen. "Wenn man laute Motorräder aus dem Verkehr zieht, dann muss man auch laute Autos abschaffen", sagt er.

Ähnlich sieht das Siggi Nürnberger. Der Vorsitzende der Verkehrswacht Höchstadt hält die drohenden Fahrverbote für "absoluten Schwachsinn". Eine Lärmbegrenzung der Maschinen hält er dagegen für sinnvoll. Das Problem bleibe der florierender Schwarzmarkt. Den könne man nun einmal nicht regulieren.

Laut Nürnberger gibt es inzwischen nur noch wenige Fahrer, die ihre Maschinen absichtlich "aufreißen", wie er sagt. Einmal im Jahr veranstaltet er ein Fahrsicherheitstraining, zu dem Biker aus ganz Bayern anreisen. 95 Prozent aller Fahrer seien vernünftig, auch deshalb, weil Vergehen umgehend bestraft würden. "Wenn die Polizei eine zu laute Maschine erwischt, wird sie sofort aus dem Verkehr gezogen."

Fritz Popp bezeichnet sich selbst als Genußfahrer. Die lauten getunten Maschinen, das sei nie seine Welt gewesen. Er habe immer Rücksicht auf seine Umwelt genommen, wenn er mit seiner Maschine unterwegs war. Das umsichtige Verhalten beobachtet der 76-Jährige auch bei jüngeren Fahrern immer öfter. "Motorradfahrer sind heute viel vernünftiger als vor zehn Jahren." Er hofft, dass die Fahrverbote ausbleiben. Dann werde er am Wochenende wieder rausfahren.