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Bad Kissingen

Fahrgemeinschaft der besonderen Art

Gabriela Klencz staunte nicht schlecht, als sie vor ein paar Wochen an ihrem Auto zwei einzelne Wespen mit je einem Nest fand. Seitdem fährt sie mit den beiden ungewöhnlichen Passagieren durch Bad Kissingen.
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Jede Wespe im Auto von Gabriela Klencz hat ein eigenes Nest gebaut.  Fotos: Gabriela Klencz
Jede Wespe im Auto von Gabriela Klencz hat ein eigenes Nest gebaut. Fotos: Gabriela Klencz
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Seit drei Wochen hat Gabriela Klencz ungewöhnliche Mitfahrer: Zwei Wespen haben sich im Auto angesiedelt - jede hat ein Nest gebaut, so groß, wie eine Ein-Euro-Münze. Die eine vorne an der Fahrertür, die andere am Kofferraum. Und dass sie die nicht mehr so schnell losbekommt, damit hat Klencz sich abgefunden. Es scheint fast, als hege sie schon eine Art Freundschaft mit den Passagieren. Als sie die Tierchen entdeckt hatte, war sie skeptisch.

"Am Anfang hatte ich Angst, deswegen habe ich ja überlegt, das Nest zu entfernen. Es hätte ja sein können, dass ich Auto fahre und sie mich dann erschrecken und ich einen Unfall baue", sagt sie. "Aber dann habe ich gemerkt, dass sie keine Chance haben, ins Auto zu kommen, wenn die Türen geschlossen sind." Die Dichtungen an Kofferraum- und Fahrertür sorgen dafür, dass die Wespen nicht ins Auto kommen. Daher hatte sie sich mit dem Schicksal abgefunden und fährt die Beiden immer mit sich herum. Laut Klencz seien sie sehr friedlich und hätten noch nicht versucht, sie anzugreifen. Wenn sie ins Auto steigt, schaut sie regelmäßig nach den Tierchen: "Die beiden sind immer mitgefahren. Die eine saß auch immer, als ich schaute, auf ihrem Nest." Als eine der beiden mal einen Tag nicht zu sehen war, sorgte sie sich, ob sie verloren gegangen sei. "Es ist schon interessant, dass es genau mein Auto ist und gleich zwei Nester!", meint Klencz.

Tierischer Orientierungssinn

Etwas betrübt klingt sie, als sie erzählt, dass es mit ihren beiden Mitfahrern beinahe vorbei gewesen sei. Klencz hatte einen Arzttermin und ihr Auto auf einem Parkplatz neben einem Kastanienbaum geparkt. Als sie nach zwei Stunden wiederkam, seien die Beiden weggewesen: "Ich meine, da war ja dieser Kastanienbaum, vielleicht mussten sie sich etwas stärken und sind dort hingeflogen. Also bin ich ohne sie nach Hause gefahren." Das waren in etwa 650 Meter Luftlinie.

Doch als sie am nächsten Tag zu ihrem Auto ging, waren die beiden wieder auf ihren Nestern. Der ehemalige Insektenbeauftragte der Naturschutzbehörde des Landkreises, Hellmut Petsch, findet das nicht verwunderlich: "Es ist schon normal, dass die wieder zurückfinden. Die fliegen im Umkreis von vier Kilometern wieder zurück, egal wo sie das Nest hinhängen." Denn Wespen seien intelligente Insekten.

Warum die beiden aber in Klenczs Auto siedeln, weiß er auch nicht: "Also eine Königin ist keine von beiden. Vielleicht haben sie sich von ihrem eigenen Nest abgesetzt." Normal sei das nicht, sie würden daher wahrscheinlich wieder gehen. Nach ihm klingt Klenczs Angelegenheit ungewöhnlich: "Dass Wespen in einem Auto siedeln, davon habe ich noch nie einen Fall gehabt."