Im Jahr 2009 gründeten die Kulmbacher Fachärzte den Facharztverein, um in Kulmbach eine gute Versorgung aufrecht zu erhalten. Jetzt löste sich der Verein mangels Mitgliedern und Interesse auf. Doktor Bernd Roßberg, Frauenarzt im Ruhestand, bedauert die Entwicklung. "Es war kein richtiges Interesse mehr da, die Mitgliederzahl ist geschwunden."

Einen Teil der Schuld weisen er und Augenarzt Doktor Gernot Petzold den politischen Rahmenbedingungen zu. "Es gibt keine neuen Niederlassungen mehr, und wenn doch, bewerben sich in der Regel MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) der Krankenhäuser dafür", sagt Petzold. Die MVZ würden dann dafür benutzt, um Einweisungen zu machen, "die MVZ müssen nicht wie wir Ärzte schwarze Zahlen schreiben." Vier Arztsitze habe sich das Kulmbacher MVZ bereits genommen, jetzt sei auch noch die Radiologiepraxis an das MVZ Bayreuth gegangen.

Vielen Ärzten sei es inzwischen "zu heiß" geworden, eine eigene Praxis zu eröffnen, sie lassen sich lieber anstellen. "Es fehlt in Kulmbach zum Beispiel dringend eine orthopädische Praxis, denn operieren sollte immer die letzte Wahl sein", sagt Petzold. Die Entwicklung sei sehr unschön. Zwar erhielten Ärzte, die sich niederlassen wollen, einen einmaligen Zuschuss, jedoch sei es damit nicht getan.

Ärzte werden ersetzt

"Wenn ich beispielsweise eine neue Augenarztpraxis einrichte, bin ich mit 600.000 bis 700.000 Euro dabei", sagt Petzold. Es bräuchte eine bessere Ertragsmöglichkeit für die Ärzte. Vor 36 Jahren noch, als Petzold anfing, sei jede Leistung für den Patienten bezahlt worden, "da saß ich oft bis 22 Uhr in der Praxis". Das sei heute nicht mehr möglich.

"Ich beobachte eine Verschiebung der Wertigkeit, eine Tendenz, den Arzt zu ersetzen, das macht mir Sorge", sagt Petzold und spielt damit auch auf den neuesten Beschluss an, die Beratungsdienste von Apothekern zu erweitern und damit ärztliche Leistungen zu ersetzen. "Der Apotheker bekommt für die Beratungsstunde 90 EUR - das bekomme ich für einen Patienten im ganzen Jahr", sagt der Mediziner. Ein weiteres Problem ist für ihn die zunehmende Digitalisierung in den Arztpraxen.

Digitalisierung gegen Schweigepflicht

"Ich bin dazu verpflichtet, eine digitale Patientenkarte zu führen, aber das widerspricht meiner ärztlichen Schweigepflicht", sagt der Augenarzt. Es könne doch nicht sein, dass all dies nur zur Förderung der Wirtschaft und zugunsten von Aktionären passieren könne. "Und weil ich mich dieser Regelung nicht beuge, muss ich 2.000 Euro Strafe im Quartal zahlen." Für ihn müssen sich die Rahmenbedingungen grundsätzlich ändern, Arzt und Patient müssten wieder im Zentrum der Politik stehen. Viele Fachärzte seien frustriert, was sich auch in der Mitgliederzahl des ehemaligen Fachärztevereins widerspiegelte: "Am Anfang waren alle dabei, da hatten wir 40 Mitglieder", berichtet Roßberg. Am Schluss seien es noch 19 Mitglieder gewesen, nur vier bis fünf seien noch zu den Versammlungen erschienen. "Die Kollegen fragen sich vermutlich, wozu sie sich noch engagieren sollten."

Schwierig wird es auch für den Facharzt, wenn er aufhört und seine Praxis übergeben möchte. "Selbst wenn ich meine Praxis an ein Familienmitglied geben will, muss ich den Arztsitz ausschreiben", sagt Bernd Roßberg. Der KV-Zulassungsausschuss entscheidet dann, wer den Zuschlag bekommt. Die Krux bei der Sache: "Ein MVZ muss nicht ausschreiben."