Dutzende Asylsuchende, die im Landratsamt Coburg auf dem Flur über Stunden warteten, sorgten am Mittwoch für Aufsehen. Manche Besucher des Amtes glaubten einen Notstand festzustellen, nämlich einen gerade eingetroffenen Bus voller Flüchtlinge, die nun dringend eine Bleibe suchen. Andere übten Kritik am Umgang der Behörden mit Asylbewerbern. Die Wirklichkeit war aber wohl eine etwas andere.
"Es war der Außensprechtag der zentralen Ausländerbehörde der Regierung von Oberfranken", klärt Oliver Hempfling, der Pressesprecher der Regierung auf. Es gibt eine Reihe von Dingen, die Asylsuchende mit der Behörde zu klären haben. Verlängerung von Aufenthaltsgenehmigungen, Papiere, die angefordert wurden und jetzt abgeholt werden können, und dergleichen mehr. All das könnten die Betroffenen direkt bei der Behörde in Bayreuth erledigen. Doch Bayreuth ist weit, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.
"Die Außensprechtage sind ein Service der Behörde, damit die Leute eben nicht nach Bayreuth kommen müssen", erklärt Oliver Hempfling. Die Tage finden alle zwei Wochen statt. Einmal sind sie in der kreisfreien Stadt Coburg, einmal im Landkreis. Durch die Entfernung sei erklärbar, dass dieses Angebot in Coburg stärker frequentiert werde als etwa in Kulmbach, von wo der Weg nach Bayreuth einfacher zu bewältigen ist, sagt Hempfling.


Andrang schwer zu kalkulieren

Weil die Asylbewerber aber nicht vorgeladen, sondern nur über das Angebot des Außensprechtages informiert werden, könne das Amt nicht abschätzen, wie viele Personen kommen werden. Wartezeiten können dadurch eben länger ausfallen. "Wir wollen aber auch keinen wegschicken. Es sollen alle Anliegen bearbeitet werden", sagt Hempfling. Also heißt es eben warten.


Problem erkannt

Dass dieses Warten sich über Stunden hinzieht, empörte manchen Beobachter. "So geht man doch nicht mit Menschen um", wurde die Situation gar kommentiert. "Wenn es wiederholt zu so großem Andrang kommt, wird man sicher darüber nachdenken müssen, ob etwas anders gehandhabt werden kann", versichert Hempfling. Das sei ja im Interesse der Sachbearbeiter. Das Landratsamt Coburg stellt nur die Räume für die Mitarbeiter der Regierung von Oberfranken zur Verfügung. Für mögliche Missorganisation sieht sich das Amt daher nicht in der Verantwortung, erklärt Dieter Pillmann als Sprecher der Behörde. Wiederholt habe man bereits die Verantwortlichen bei der Ausländerbehörde in Bayreuth darauf hingewiesen, dass es zu unvertretbaren Staus und Wartezeiten beim Außensprechtag kommt. "Die Leute sitzen auf der Treppe und dem Boden, da sind ältere Menschen dabei und Schwangere oder Kinder", sagt Pillmann. Es müsse nach Wegen gesucht werden, das in den Griff zu bekommen. Sei es durch mehr Mitarbeiter, die die Behörde zu den Sprechtagen nach Coburg schickt oder durch Einladungen der Betroffenen zu unterschiedlichen Zeiten.


Besonders hohe Nachfrage

"Gestern war sicher ein extremer Tag", sagt Pillmann. Wegen der Wärme und der sehr langen Wartezeit - manche Asylsuchende kamen erst gegen Abend dran - habe das Landratsamt Getränke zur Verfügung gestellt. Er hofft, dass möglichst bald ein Weg gefunden wird, die Bearbeitung der Anliegen bei den Sprechtagen effizienter zu gestalten. Denn heiße Sommertage würden das Warten noch unerträglicher machen.