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Sand am Main
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Experten können irren, die Natur nie

Leserbrief zum Artikel "Was wird aus dem Hohen Buchenen Wald?" im Fränkischen Tag am Samstag, 6. Juni: Vielleicht haben ja Gerhard Eck, Staatssekretär und Maurer, Oskar Ebert, Lehrer, Siegfried Stände...
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Leserbrief zum Artikel "Was wird aus dem Hohen Buchenen Wald?" im Fränkischen Tag am Samstag, 6. Juni: Vielleicht haben ja Gerhard Eck, Staatssekretär und Maurer, Oskar Ebert, Lehrer, Siegfried Ständecke, Polizeibeamter, und Ulrich Mergner, Forstmann, recht und wir brauchen überhaupt keine großen Schutzgebiete in Bayern. Der Wald in Bayern wird nachhaltig genutzt, jetzt und auch in Zukunft, alle Sägewerke bekommen immer genügend Holz, jetzt und auch in Zukunft, wir kennen alle Prozesse des Waldes, jetzt und auch für alle Zukunft. Vielleicht haben ja die obigen Herren recht und der Bund Naturschutz will sich nur profilieren, die Biologen sind einfach zu ängstlich mit ihren Roten Listen gefährdeter Arten in Bayern und die angestellten Forstleute kennen alle Naturgesetzlichkeiten besser, als die natürliche Evolution es uns zeigen könnte. Vielleicht waltet das Unternehmen Bayerische Staatsforsten jetzt und für alle Zeiten im besten Sinne für alle Bereiche der Natur in einem echten Wald mit seinen komplexen Vorgängen, vielleicht richten schwere Maschinen keinen bleibenden Schaden im Wald an, vielleicht machen sich Bayerns Naturliebhaber einfach überflüssig Sorgen um den Erhalt der Schönheit für die nächsten Generationen oder sie sind allesamt ideologisch verblendete Ökospinner. "Bayern ist" ja nach Einschätzung Horst Seehofers "der Vorhof zum Paradies", schwebt also über allen normalen irdischen Bedenken und spätestens nach der Umarmung eines Baumes durch den Ministerpräsident Markus Söder liegt die Natur praktisch ganz dicht an Bayerns politischem Herzen.

Den anderen, den Bolsonaros, den Trumps und den anderen schlimmen Fingern anderswo in der Welt, muss man auf die Finger klopfen, dass sie ihren Wald und ihre Natur nicht schänden und zu Geld machen. Den allermeisten unabhängigen Wissenschaftlern darf man aber nur trauen, wenn es um den Zustand für den Rest der Welt geht, da die Forstleute bei uns schon alles richtig wissen und immer auch die Möglichkeit haben, dies frei umzusetzen. Aber.

Aber was passierte, wenn wir uns irrten? Fehlendes Wissen wird von unseren Kindern teuer an die Natur mit Katastrophen und Untergangsszenarien auf Heller und Pfennig zurückgezahlt. Wollen wir das wirklich riskieren? Das derzeitige Nadelwaldsterben in Deutschland kann hierfür nur ein müder Vorgeschmack sein. Fachexperten können irren, die Natur irrt nie ("natura numquat errat"; Schriftzug auf Steigerwaldfels von dem namhaften Künstler Herman de Vries). Und was passierte, wenn wir fünf Prozent unserer Waldflächen der Natur wieder zurückgäben und unsere Kinder in einigen Jahrhunderten feststellten, dass es nicht nötig gewesen wäre? Die Menschen hätten die ganze Zeit über einen wundersamen Erfahrungsort behütet, die Dichter und Maler ihre heiligen Haine, die Menschheit ein Zeichen ihrer Großherzigkeit und Umsicht in die Welt gesendet und die Kinder besäßen dann noch winzige Ur-Waldreste, die sie nach ihrem eigenen Gutdünken zu Geld machen könnten oder ähnlich wie wir ihren Nachkommen weiter vererbten. Das wäre doch ein schöner Nachlass unserer lebenden Generation - meiner und auch deiner, nicht wahr? Robert Atzmüller

Sand

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