Wertvolle Schatzkammer der Artenvielfalt, vom Todesstreifen zur Lebenslinie, existenzielle Bedeutung und wesentliches Instrument - all diese Superlative galten einem einzigen Projekt: dem Grünen Band, das sich seit 30 Jahren durch Deutschland schlängelt. Es ist mit knapp 1400 Kilometern der längste länderübergreifende Biotopverbund Deutschlands. Jetzt gilt es, die letzten Lücken zu schließen. Dazu tauschten sich auf einer Fachtagung alle Hauptakteure im Mitwitzer Wasserschloss aus.

Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verläuft es, das Grüne Band, und rund 40 Vertreter von Behörden und Bundesländern kamen nach Mitwitz, um sich ihrer Verantwortung für die Erhaltung und Pflege der Naturschutzgebiete zu stellen. Laut Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz wurden bereits über 50 Millionen Euro an Fördergeldern in dieses nationales Naturerbe investiert.

Professor Kai Fröbel, der als "Vater des Grünen Bandes" gilt, ist selbst in der Nähe von Mitwitz aufgewachsen und hat sich schon in den 70er Jahren mit Flora und Fauna entlang der Grenze beschäftigt. 1989 sei die Idee geboren worden, den Grenzstreifen als Schutzgebiet auszuweisen. Eine "Erinnerungslandschaft" sei es und zugleich ein ökologisches Denkmal. Im Sinne des Naturschutzes habe sich der einstige Todesstreifen als letzter Zufluchtsort für viele Tierarten erwiesen.

Ingrid Werres von der Stiftung Naturschutz Thüringen brachte zum ersten Mal den Terminus "Naturmonument" ins Spiel. Seit 2018 zählen Teile des Grünen Bandes in Thüringen zu dieser Kategorie. Werres: "Unsere Aufgabe in den nächsten fünf Jahren wird sein, eine Planung zu erstellen." Wie die einzelnen Behörden mit Pächtern verhandeln, beantwortete sie ebenfalls: "Reden, reden, reden, überzeugen. Das klappt in 97 Prozent aller Fälle." Der Flächentausch habe sich als eine adäquate Methode herausgestellt, denn "oft handelt es sich um Splitterbesitz, da sind die Pächter froh, wenn wir Ausgleichsflächen als Alternativen anbieten."

Und woher das Geld für den Lückenschluss kommen soll, das wusste Liana Geidezis vom Bund Naturschutz in Bayern. 30 Millionen sollen nämlich aus Bundesfonds kommen. Peter Geisler von der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt: "Wir wollen das Schutzwürdigkeitsgutachten vorantreiben, damit wir noch in diesem Jahr Flächen als Naturmonument ausweisen können." Zum Thema Naturmonument nahm auch Uwe Riecken Stellung: "Es hat nationale Bedeutsamkeit und historische Hintergründe."

Thomas Findeis vom Landratsamt Vogtlandkreis äußerte sich zur Bedeutung des Grünen Bandes: "Wir wollen den Zustand des Grünstreifens erhalten, jedenfalls so ähnlich, wie er kurz nach dem Mauerfall ausgesehen hat. Allerdings kommt da keine Käseglocke drauf." So habe man zum Beispiel auch einen Hüteschafhalter eingebunden, der seine Tiere entlang der Strecke grasen lasse.

Den größten Anteil am Grünen Band habe Bayern, versicherte Liana Geidezis. Kai Fröbel ergänzte: "Bayern hat schon in den 90er Jahren reagiert und Naturschutzgebiete ausgewiesen. Wir stemmen auch den finanziellen Löwenanteil." Außerdem solle auch in Bayern ein Naturmonument entstehen. Uwe Riecken gab allen ein Schlusswort mit auf den Weg: "Das Grüne Band ist das Rückgrat entlang der ehemaligen Grenze, aber diese Flächen müssen auch quer verbunden werden." Das sei ein unverzichtbares Instrument zur Erhaltung der Tier- und Pflanzenarten.