Wenn es sie nicht schon geben würde, müsste man sie schnellstens erfinden. Vor knapp einem Jahr haben die vier Museumspädagogen des Deutschen Dampflokomotiv-Museums ihren Dienst aufgenommen. Sie betreuen die jüngsten DDM-Besucher.
Die damalige Museumsleiterin Sandra Bali hatte die Idee, die Angebote "Mit der Schulklasse das Museum erleben" und "Dein Kindergeburtstag bei uns im Museum" ins DDM-Programm aufzunehmen. Für die Umsetzung wurden geeignete Kräfte gesucht und gefunden. Nach knapp einem Jahr ziehen Günther Niebler (64), Peter Kerrmann (59) und Sandra Scholz (45) eine erste Bilanz.


Ausschreibung klang interessant

Eine Anzeige in der Tageszeitung hatte die drei neugierig gemacht. "Das DDM suchte Museumspädagogen für die Betreuung von Schulklassen und Kindergärten. Als Produktionsmanager einer Druckerei hatte ich bislang natürlich mit Pädagogik überhaupt nichts am Hut, aber die Ausschreibung klang interessant", erinnert sich Günther Niebler aus Neuenmarkt. Wie Peter Kerrmann, Sandra Scholz und die Vierte im Bunde, Julia Eschenbacher, musste Niebler ein Casting durchlaufen. Danach folgte eine Schulung. "Sie war sehr interessant, ich infizierte mich mit dem Dampflok-Virus. Heute muss ich sagen: Es macht einfach Spaß."
Der pensionierte Verwaltungsbeamte Peter Kerrmann aus Trebgast hatte bis vor einem Jahr ebenfalls wenig mit der Eisenbahn zu tun. "Nachdem ich seit über 30 Jahren im Karatesport sehr viel mit Kindern zu tun habe und seit ein paar Jahren auch Opa bin, dachte ich mir, die Arbeit könnte mir Spaß machen. Es ist auch so eingetreten, als ich ein paar Führungen mit Schulklassen und auch schon mal einen Kindergeburtstag hatte."


Nicht bis ins letzte Detail

Nach der Schulung sind die Museumspädagogen natürlich keine Greenhorns mehr. Das erlernte Wissen reicht aus, um Schülern bei Fragen auch die richtigen Antworten zu geben. Peter Kerrmann: "Es ist für die Kinder nicht unbedingt nötig, dass ich die technischen Sachen bis ins letzte Detail erkläre. Sie wollen sich vielmehr umschauen, eine Geschichte hören und auch ihren Spaß dabei haben."
Sandra Scholz ist im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen vorbelastet: "Ich bin hier so die Nostalgikerin. In meiner Freizeit fahre ich selber gern mit historischen Dampfeisenbahnen. Mein Partner ist großer Eisenbahnfan und wir reisen wirklich viel mit der Bahn." In ihrem Beruf habe sie früher Auszubildende betreut. Als Kräuterpädagogin habe sie schon früher Führungen für Kinder und Erwachsene angeboten. "Das Aufbereiten von Wissen für verschiedene Altersgruppen liegt mir", sagt Sandra Scholz.
"Dass ich einmal ein so gut ausgearbeitetes und durchdachtes Konzept an die Hand bekommen würde, hat mich angenehm überrascht", betont Peter Kerrmann. Interessant für Kinder sei zum Beispiel, "dass wir das mit einem Schnellkochtopf zeigen, wie Dampfdruck entsteht und was er bewirken kann". Außerdem seien die kleinen Besucher von den virtuellen Bildschirmen begeistert, weil sie daran arbeiten könnten.


Smartphone gegen Dampflok

Sandra Scholz erinnert sich an eine witzige Frage: "Da kam ein Junge zu mir und sagte, er habe ein altes Smartphone, das er gerne verkaufen würde, um sich eine große Dampflokomotive zu kaufen. Dann wollte er wissen, wie viel so eine Lok kostet. Ich konnte ihm damals nur antworten, dass er dafür noch viele Smartphones verkaufen müsse."
Was am Ende immer sehr gut ankomme, sei die Fahrt mit der Gartenbahn durch das Freigelände. Die Museumspädagogen wollen im Sommer sogar die Prüfung zum Lokführer ablegen, um in Zukunft als "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" auftreten zu können. "Ich bin mal gespannt, ob ich da auch körperlich mithalten kann", schmunzelt Sandra Scholz. Ihr mache es auch Spaß, den jungen Besuchern von der guten alten Zeit zu erzählen und davon, dass Lokführer damals ein Traumberuf war.
Barbara Thiele von der Museumsverwaltung spricht von einer segensreichen Einrichtung. "Anfangs dachten wir, wir finden die Personen über die Uni in Bayreuth, doch da kam keine Resonanz. Erst eine Anzeige in der Lokalzeitung brachte uns weiter."