Hammelburg — Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz Bad Kissingen führte eine Busfahrt in den Hochspessart durch, um einen Blick über den Zaun in den Nachbarlandkreis zum Thema Waldnaturschutz und Auenrenaturierung zu werfen.
BN-Ehrenvorsitzender Ulf Zeidler hatte diese Tour als Beitrag zum Jahr des Waldnaturschutzes organisiert und Klaus Bernhart, Behörden- und Bereichsleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie des Fachzentrums für Agrarökologie in Karlstadt als kompetenten Exkursionsleiter gewinnen können. Im Naturwaldreservat "Eichhall" wurden 400 Jahre alte Eichen besichtigt.


Vorbildcharakter

Der Hochspessart ist mit 17 500 ha FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Flächen und 28 000 Hektar Vogelschutzgebiet eines der größten europäischen Schutzgebiete, das für Naturinteressierte jeglicher Fachrichtung viel bietet. Nicht ohne Grund hat der Naturpark Spessart den Schwarzspecht in seinem Logo. "Wir können auf viele Jahre fruchtbare Zusammenarbeit im Bereich des Waldnaturschutzes mit den Forstleuten zurückschauen," erklärt Zeidler vom BN.
"Der Staatswald und die Kommunen haben Vorbildcharakter. So kann über Naturwaldreservate, Naturschutzgebiete und das sogenannte Trittsteinkonzept erforscht werden, was außerhalb der Schutzzonen langfristig und nachhaltig auch im Rahmen des Klimawandels im Wald getan werden muss, um die Artenvielfalt zu erhalten", erläutert Forstdirektor Bernhart, "Im Gebiet Rothenbuch hat der Staatsforst freiwillig acht Prozent der Fläche aus der Nutzung genommen. Der Gesamtnutzen soll optimiert, nicht maximiert werden." Damit meint der Waldexperte, dass der Wald nicht nur Holz liefert, sondern auch zur Erholung des Menschen, als Wasserspeicher und Luftfilter dient. Ein weiterer Höhepunkt der Exkursion war das NSG Rohrberg. Mächtige Eichen, hohle mit Spechthöhlen und Pilzen besetzte Baumstämme zeugen davon, dass Totholz ein vielfältig genutzter Lebensraum ist. Der lichte Eichenwald mit einzelnen 600 Jahre alten Exemplaren verdankt seine Entstehung und Erhaltung der besonderen Bewirtschaftung, die bis 1803 nach jagdlichen Gesichtspunkten als Eichenhutewald erfolgte. Die Eicheln dienten als Wildäsung. Das Gebiet steht seit 1928 unter Schutz und ist damit Bayerns ältestes Naturschutzgebiet. Die ebenfalls vorhandenen, wesentlich jüngeren Buchen zeigen, dass sie ohne das Zutun des Menschen im Rohrberg dominieren würden. Ihr Holz blieb als wertvolles Totholz im Bestand liegen.
Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart, erläuterte eindrucksvoll wie die Wiesen entlang der Hafenlohr durch aufwändige Be- und Entwässerung bis nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt wurden. Relikte konnten die Exkursionsteilnehmer über einen Bohlensteg besichtigen. Beeindruckt von der Naturschutzarbeit im Spessart, vielen positiven Eindrücken und Anregungen trat die BN-Kreisgruppe Bad Kissingen den Heimweg an. hae