Von Zeit zu Zeit ließ der 25-jährige Bad Staffelsteiner Beschuldigte seinen Unmut aufblitzen. Unklug in seiner Situation, trug es doch dazu bei, dass Staatsanwältin Franziska Winkler ihn für weniger glaubwürdig als die Zeugin hielt. Diese gab an, von dem Mann schwer beleidigt worden zu sein. Der wiederum bestritt dies. So begenete man sich vor Gericht.
Auf 450 Euro lautet der Strafbefehl, der gegen den Mittzwanziger ausgestellt worden war. Bei Bezahlung wäre die Angelegenheit vom Tisch gewesen, so aber landete sie am Dienstag im Amtsgericht vor Richter Stefan Hoffmann. Es ging um das Götz-Zitat, welches sich die 31-jährige Frau am 25. Juli 2016 gegen 15.13 Uhr habe anhören dürfen. Am Telefon und mit einem Halbsatz garniert, der zudem noch ihr Geschlecht herabwürdigte.
Doch die 31-Jährige war nicht irgendwer, sondern die Ex-Frau des Angeklagten, Mutter seiner Kinder. "Es ging um unsere Tochter", erklärte der Beschuldigte, der eine telefonische Beleidigung vehement bestritt und anwaltlich vertreten war. Bei dem Gespräch soll der Mann erfahren haben, dass seine Tochter an einem kommenden Wochenende nicht mit ihm Zeit verbringen wird, sondern mit ihrer Mutter und dem neuen Lebensgefährten in den Urlaub fährt. Diese Information soll den Mann überrascht haben. Und wütend und ausfällig gemacht.


Streitpunkt Urlaub

Ersteres stimme nicht, erklärte die Zeugin, Letzteres stimme wohl. "Ich habe mit ihm schon Tage vorher auf dem Sportplatz mündlich abgemacht, dass unsere Tochter in den Urlaub fährt", legte die 31-Jährige dar. Mehr noch: "Ich habe Urlaub gebucht und er wollte plötzlich eine Urlaubsbestätigung davon. Per Whatsapp habe ich ihm eine Buchungsbestätigung geschickt - wie es der Herr wollte." Dies sagte die Frau mit einem Seitenblick auf den links von ihr mit geradem Blick voraus sitzenden Beschuldigten. Der soll ihr sogar telefonisch unterstellt haben, den Urlaub absichtlich zu buchen. "Dann kam es zur Beleidigung - was ja nicht die erste war." So erzählte die Frau von Begebenheiten aus der Vergangenheit. Etwa dass ihr vom Ex-Mann 20 Monate nach der Trennung immer wieder auch Schläge angedroht worden seien. "Das mache nicht ich, das machen andere für mich", habe der Abschluss der Drohung gelautet. Ferner führte die Frau aus, dass ihr Ex-Mann auch noch das genaue Datum samt Uhrzeit der Buchung zu wissen verlangt habe. "Irgendwann ist mal gut!", habe sie entgegnet.
Was die Zeugin darlegte, klang nach einer angespannten Gesprächsatmosphäre. Darum fragte auch Richter Hoffmann: "Haben Sie ihn auch beleidigt?" Die Antwort der Frau: "Kann sein, weiß ich nicht." Eben darin erblickte Franziska Winkler Anzeichen von Glaubwürdigkeit, "weil sie nicht davor zurückschreckt, einzuräumen, dass sie selbst beleidigt haben könnte". Eben darum zeigte sich das Gericht auch ausgleichend gestimmt und kam dem Beschuldigten entgegen. Statt der 450 Euro soll er 300 Euro zahlen und somit soll die Sache ihr Bewenden haben.
Doch hierbei kam es zu einem prickelnden Moment. Er könne nicht zahlen, so der Mann, der all seine Verbindlichkeiten aufführte. Und einen ironischen Nachsatz in Richtung Ex-Frau einschob: "Ich find's gut, dass Lügner so durchs Leben kommen."
Hier wurde er von Richter Hoffmann und seinem eigenen Anwalt Michael Brammer gemaßregelt bzw. beschwichtigt. Nach einem letzten "Pfff" fügte er sich aber der milderen Variante des Strafbefehls und versprach pünktliche Ratenzahlung.