Marion Krüger-Hundrup

Für Erzbischof Ludwig Schick sind diejenigen, die hinter ein vereintes Europa zurückwollen, nicht fortschrittlich, sondern rückwärtsgewandt. "Sie streben nicht nach Besserem, sondern gehen auf Schlechteres zu, wenn sie erneut von Nationalstaatlichkeit, eigener Währung, geschlossenen Grenzen träumen", erklärte Schick als Hauptredner bei der sonntäglichen Kundgebung, zu der die parteiunabhängige Bürgerbewegung Pulse of Europe nun zum fünften Mal an den Gabelmann eingeladen hatte.
Trotz Biergarten- und Schwimmbadwetter hatten sich zahlreiche Zuhörer eingefunden, die Jonas Glüsenkamp aus dem Bamberger Organisationsteam von Pulse of Europe zu diesem "kleinen Jubiläum" willkommen hieß. Berufspolitiker seien als Redner nicht erwünscht, sagte er zuvor unserer Zeitung. Akteure aus dem gesellschaftlichen Bereich wie die Kirchen sind nach Glüsenkamps Worten jedoch "wichtige Institutionen, mit denen wir in den Dialog treten wollen".
Demnächst würden auch Vertreter der evangelischen Kirche zu Wort kommen, die derzeit beim Kirchentag in Berlin/Wittenberg weilten. Angehörige der islamischen und jüdischen Gemeinden sollten ebenfalls bald ans Mikrofon treten.
So lag ein fast biblischer Rückgriff nahe: Zwei Bambergerinnen namens Eva - von Jonas Glüsenkamp durch gründliches Studium des Telefonbuches entdeckt - trugen wie die Urmutter Ziele von Pulse of Europe vor: "Europa braucht jetzt jeden!", "Gebt europafreundlichen Parteien eure Stimme!", "Europa soll wieder Freude bereiten!"
Freude bereitete auch der Erzbischof mit seinem klaren Bekenntnis zu diesen Zielen und zu Pulse of Europe: "Ich halte diese Bewegung für erforderlich, denn die Einheit Europas und die Europäische Union verdient es, erhalten und ausgebaut zu werden", sagte er in seiner immer wieder durch zustimmenden Beifall unterbrochenen Rede. Er schilderte persönliche Erlebnisse aus früheren Jahren, als der Eiserne Vorhang noch West- und Osteuropa trennte. Europa sei heute ein Segen für die Menschen, für das persönliche und familiäre Leben, für Wirtschaft und Handel, für die Begegnungen der Kulturen, für Frieden und gesellschaftliche Beziehungen. Schick räumte wohl auch Probleme der offenen Grenzen ein, die ebenso durchlässig seien für Kriminelle, für Terroristen, Profiteure, Menschenhändler und Flüchtlinge, "die keine sind". Aber wegen solcher Missbräuche die europäische Einigung zurückdrehen zu wollen, sei "töricht". Zumal der größte Feind des vereinigten Europas der Populismus sei, fuhr der Erzbischof fort. Populismus - auch am Stammtisch und durch Schüren von Fremdenhass - werde aus Ängsten geboren, verbunden mit Egoismus: "Daraus wird dann Nationalismus und Rassismus, wenn nur noch die eigene Nation und Rasse gesehen wird." Jeder dürfe ruhig Deutscher, Pole, Rumäne, Italiener sein und seine Nation als Heimatland bezeichnen, meinte Schick. Doch um zum "schönen Mosaik Europas" beizutragen, müsse jeder selber in der Europäischen Union leben und diese mit eigener Kultur mitgestalten.
Die Bamberger Aktion von Pulse of Europe tritt bis zur Bundestagswahl im September nicht mehr jeden Sonntag, sondern zunächst ein Mal im Monat am Gabelmann zusammen. Die Termine werden im Fränkischen Tag bekannt gegeben.