von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Bad Staffelstein — Bestes komödiantisches Handwerk präsentierte Markus Veith mit "Eulenspiegels Enkel" im Brückentheater. Theaterintendant Jan Burdinski traf mit dem Narrenspiel wieder den Nerv der Zuschauer.
Am Brückentheater schätzt Burdinski vor allem den exotischen Stellenwert und die räumlichen Herausforderungen, die die Beengtheit der Spielstätte für Requisiten und Bühnenbild mit sich bringt. Es ist im Gegensatz zu anderen Bühnen von Beginn an durchwegs sehr gut ausgelastet, wie man am Donnerstag wieder feststellen konnte.
Veith, der die Merkmale der Körpersprache und Körperhaltung erklärte, spielte und tanzte nicht belehrend, sondern leichtfüßig. Redegewandt und mit angenehmer Kumpel-Attitüde nahm er der altmodischen Reimform das Sperrige. Mit gedrechselten Versen kitzelte er die Pointen heraus.
Als Requisite benutzt er zwei Taschen, eine Mülltonne und eine Parkbank. In diesem Jahr ist mit "Eulenspiegels Enkel" ein neues Solo von und mit ihm im Programm, das auch als Buch erschienen ist. Genau wie der berühmte umherstreifender Schalk Anfang des 14. Jahrhunderts nahm sein "Enkel" alles auf die Schippe, was ihm die heutige Zeit bietet: Von Einkaufszentren, Fast-Food-Läden bis hin zur Bundeswehr und moderner Kommunikation. Früher, als man noch von Angesicht zu Angesicht kommunizierte, war das Leben noch wild und analog, stellte Veith fest.


Gezähmte Kommunikation

Kommunikation sei inzwischen gezähmt und in aller Munde, buchstäblich - doch Alexander Veit geht auf die Jagd nach den letzten unbekannten nonverbalen Botschaften, erbeutet die unter Naturschutz stehenden Körperzeichen und ermuntert die Zuschauer zum kompromisslosen Einsatz unwahrscheinlich betörender Signale.
Gleich zu Beginn gewandet sich der Mime in alte Klamotten aus der Kleiderspende. Da kommt ihm ein rosafarbenes Hemd oder einen mit Speisereste übersäte Jacke gerade recht. Genüsslich seziert er die kulinarischen Vorlieben seine Vorbesitzers, die dieser auf der Jacke hinterlassen hat. Ergötzend schildert er die Anbahnung seiner großen Liebe Linda, die, inspiriert von ihm, der Menschheit Streiche spielt. Die Geschichte endet tragisch, da die Gesellschaft nicht etwa den Spiegel, der ihr vorgehalten wird, erkennt, sondern meint, es seien dort nur die anderen zu sehen. Grotesk wird die Geschichte, als sich Eulenspiegels Enkel zum Bundespräsidenten wählen lässt. Schließlich erkennt er im Alter, dass sein Einsatz, die Welt zu verbessern, nutzlos war.
Zum Hintergrund: Erasmus hat ein seltsames Leiden. Nachdem er als Kind jahrelang mit Gedichten gefüttert wurde, kann er nur noch in Versen sprechen. Da alle Welt glaubt, er verulke sie mit seiner lyrischen Sprache, macht er aus der Not eine Tugend: Er zieht als moderner Eulenspiegel umher und spielt Streiche.