Für Martin Reichert war es "ein Sechs-Punkte-Spiel". Freilich gab es für den Sieg in der Eishockey-Landesliga, Gruppe 1, auch diesmal nur drei Punkte, doch diese fühlten sich richtig gut an und wurden auch lautstark von gut 250 ESC-Fans gefeiert. Doch was für den Trainer der Haßfurter "Hawks" nach dem 5:3 (1:1, 2:2, 2:0)-Derbyerfolg im "Wolfsbau" des EC Bad Kissingen noch wichtiger war: "Wir wollen den fünften Platz in der Tabelle nicht aus den Augen verlieren, nachdem die Mannschaften im oberen Drittel so eng zusammenliegen. Das haben wir mit einem weiteren Sieg geschafft."
Dabei, das darf nicht unerwähnt bleiben, sind die Puckjäger aus der Kreisstadt nach zehn Siegen in elf Partien weiter Spitzenreiter und haben ihren Vorsprung angesichts der Niederlage der "Mighty Dogs", dem nächsten Gast des ESC, beim neuen Tabellenzweiten ERSC Amberg sogar ausgebaut. Der neunte "Dreier" geht derweil in Ordnung, denn in den gesamten 60 Minuten legten ESC-Kapitän Christian Dietrich & Co. letztlich das größere Kämpferherz und vor allem den unbedingten Siegeswillen an den Tag.
"Die Mannschaft hat inzwischen das Selbstverständnis", erklärte Reichert, der selbst mit einer Niederlage hätte leben können. "Ich weiß, dass wir alles geben, dann bin ich auch mit dem Ergebnis zufrieden." Immerhin lag der Tabellenführer aus Haßfurt nach der recht frühen Führung durch Jakub Sramek (6. Min.) und dem Ausgleich von Viktor Ledin (14.) sowie dem schnellen Doppelpack von Anton Zeivald und Eugen Nold (27./30.) mit zwei Treffern in Rückstand. Die bis dato völlig offene Begegnung drohte, auch weil die Hausherren den Druck extrem erhöht hatten, endgültig zu kippen.
"Danach habe ich noch einmal die Reihen verändert, und das hat dem ganzen Gott sei Dank noch einmal Power gegeben", freute sich ESC-Coach Reichert. "Die Mannschaft", gab es ein Sonderlob für alle, "hat sich super zurückgekämpft." Recht hat Reichert, schließlich traf Michael Babkovic, der ebenfalls eine Topleistung ablieferte und zum "Man oft the Match" gewählt wurde, nur drei Minuten nach dem 3:1 zum Haßfurter 2:3-Anschlusstreffer, ehe Michael Breyer nach einem Alleingang Kissingens Torwart Donatas Zukovas alt ausschauen ließ und noch vor dem Ende des zweiten Abschnittes für den sehenswerten Ausgleich sorgte (38.).
Umkämpft wie die ersten beiden Drittel waren derweil die letzten 20 Minuten, doch der Blitzstart der "Hawks" sorgte für eine Vorentscheidung. "Wer das nächste Tor schießt, gewinnt dieses Spiel", legte dahingehend ESC-Sportvorstand Andreas Kurz noch vor dem Eröffnungsbully fast schon hellseherische Fähigkeiten an den Tag, ehe es auch schon klapperte - und das auch noch in Unterzahl: Während Georg Lang in dem zumeist fairen Derby in der Kühlbox saß, bekam Jakub Sramek den Puck, stürmte wie ein Pfeil Richtung Zukovas und brachte die "Hawks" mit seinem 23. Treffer in dieser Saison wieder nach vorne (42.). Auf der linken Seite der zweigeteilten Tribüne im Kissinger Eisstadion, dort wo die Fans der "Rot-Weißen" mittlerweile längst für Heimspielstimmung sorgten, herrschte fast Ausnahmezustand.
Getoppt wurde die tolle und vor allem friedliche Atmosphäre noch, als Michal Babkovic mit dem 3:5 für den endgültigen Kissinger "Knockout" sorgte (56.). Dass Georg Lang einige Minuten zuvor nach einem Foul an ihm den zugesprochenen Penalty noch in den Sand setzte (49.), interessierte spätestens zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr. Es half dem verletzten und deshalb von der Bande aus zuschauenden EC-Spielertrainer Mikhail Nemirowsky auch nichts mehr, dass Torwart Donatas Zukovas eine Minute vor der Schlusssirene das Eis verließ für einen weiteren Feldspieler. Der Rest war nur noch Party.
Bei aller Rivalität waren zwei Gesten besonders toll: Zusammen mit dem "Wölfe"-Maskottchen überreichte Thomas Blaha an ESC-Kapitän Christian Dietrich vor der Partie zum einen ein großes Bild für Petr Krepelka, unterschrieben von allen Kissinger Spielern. Am Ende übergab der Stadionsprecher zudem sein Mikrofon an ESC-Fan Lukas Heinl, der die restlichen Haßfurter Schlachtenbummler nochmals richtig anpeitschte - sehr zur Freude auch der mittlerweile aufs Eis zurückkehrten "Hawks", die sich nochmals richtig feiern ließen. "Das war einfach hervorragend. Wunderschön", gab es für diese Unterstützung ein zweites Sonderlob von Martin Reichert.
ESC Haßfurt: Martin Hildenbrand, Dietz - Thebus, Stahl, Max Hildenbrand, Marco Hildenbrand, Marx - Kurz, Kinereisch, Lang, Babkovic, Franek, Sramek, Dietrich, Breyer, Vollert / SR: Schmidt, C. Reitz - M. Reitz / Zuschauer: 660 (davon 250 aus Haßfurt ) / Tore: 0:1 (6.) Sramek (Babkovic, Franek), 1:1 (14.) Ledin (Zeivald, Adam), 2:1 (28.) Zeivald (Nikitin), 3:1 (30.) Nold (Grönstrand, Varianov), 3:2 (31.) Babkovic (Marco Hildenbrand), 3:3 (38.) Breyer (Franek), 3:4 (42.) Sramek (Babkovic) 5-4, 3:5 (56.) Babkovic / Strafzeiten: Bad Kissingen 16 Minuten plus jeweils Disziplinarstrafe gegen Nikitin und Zeivald / Haßfurt 10 rn