"Ich hätte mir auch gar nicht vorstellen können, dass es etwas mit unseren Rodacher Schützen zu tun hat", sagt Bürgermeister Tobias Ehrlicher, wenn er auf die Hausdurchsuchungen angesprochen wird, die es am Donnerstag neben München und Kaufbeuren auch in Bad Rodach gegeben hat.
Gemeint ist die Schützengesellschaft 1497. Sie fürchtet um ihren guten Ruf, nachdem Bad Rodach in einer Meldung auftauchte, bei der es um die "Bayerische Schießsportgruppe München" geht. Diese steht im Verdacht, eine Art bewaffneter Arm der Pegida-Bewegung zu sein. Da aber von Durchsuchungen und beschlagnahmten Waffen die Rede ist und eben auch von einer Wohnung in Bad Rodach, fällt automatisch ein Schatten auf den einzigen Schützenverein der Stadt.
Für die Schützengesellschaft stellt Zweiter Schützenmeister Reinhard Hofmann fest: "Wir möchten eindeutig klarstellen, dass dabei weder unser Verein noch eines unserer Mitglieder betroffen ist." Der Verein, der vom 10. bis 13. Mai sein Jedermannschießen ausrichtet, trägt seine Wettkämpfe mit Luftgewehr und Kleinkaliberwaffen aus. Großkaliber wird nicht geschossen.
Stefan Probst, Pressesprecher der Polizei in Coburg, bestätigt, dass die Ermittlungen sich nicht gegen die Schützengesellschaft als Verein oder eines der Mitglieder richteten. Es sei vielmehr um eine Person gegangen, die auch einen Wohnsitz in Bad Rodach hat. Wie Bürgermeister Tobias Ehrlicher sagt, einen Zweitwohnsitz.
Nähere Angaben kann Probst nicht machen. Er verweist auf die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth. Doch auch Jürgen Stadter, der dort als Pressesprecher eingesetzt ist, kann nur weiterverweisen. Zu diesem Fall gibt nur das bayerische Innenministerium Auskunft. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk wurde seitens des Ministeriums bereits bestätigt, dass es Durchsuchungen bei der "Bayerischen Schießsportgruppe München" gegeben hat. Von personellen Überschneidungen zwischen dem Schützenverein und Pegida München ist die Rede. Insbesondere auf Führungsebene sei dies der Fall. Um konkrete Verdachtsmomente zu überprüfen seien Hausdurchsuchungen bei zehn Personen vorgenommen worden. Das geschah in München, in Kaufbeuren und eben in einem Fall auch in Bad Rodach. 120 Polizisten wurden dabei teilweise auch von Spezialeinheiten unterstützt, berichtet der BR. Es seien Verstöße gegen das Waffengesetz festgestellt worden, die nicht näher benannt wurden. Es sollen auch zwei illegale Waffen beschlagnahmt worden sein.
Wie dem Tageblatt aus dem Ministerium versichert wird, haben sich die Durchsuchungen auf eine Privatperson bezogen. Der Schützenverein in Bad Rodach stehe damit nicht im direkten Zusammenhang. Es gehe im Verfahren um ein Vereinsverbot für die "Schießsportgruppe München", für das derzeit Beweismittel gesammelt werden.


Pegida im Visier

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird mit den Worten zitiert: "Auf jeden Fall sind wir heute der bewaffneten Szene rund um Pegida München gehörig auf die Füße getreten." Er habe die Sorge, dass die Bayerische Schießsportgruppe München die verfassungsfeindlichen Ziele von Pegida München "kämpferisch aggressiv verwirklichen" (O-Ton Herrmann) wolle. Man fürchtet offenbar Angriffe auf Minderheiten wie Flüchtlinge und Muslime.
Herrmann versichert gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: "Wir schauen hier nicht tatenlos zu. Jede Form von Extremismus nehmen wir sehr ernst. Deshalb gehen wir auch jedem Verdacht gegen eine Unterwanderung unserer verfassungsmäßigen Ordnung konsequent nach."