Gegen Ende der Amtsperiode ließen sich Bürgermeister und Marktgemeinderat den Spiegel vorhalten: Wie fühlen sich die Hirschaider dahaam, in Häschaa? Die Fragestellung war freilich nicht so platt, sondern wissenschaftlich ausgezirkelt vom "Bamberger Centrum für Empirische Studien" (SRU Baces), das unter der Leitung von Zoltán J. Juhász schon für viele Auftraggeber aus Politik und Wirtschaft Meinungsforschung betrieb.

Die Antworten von rund 300 ausgewählten Bewohnern der Marktgemeinde lassen sich auf den Nenner bringen: Es lässt sich ganz gut leben in Hirschaid, aber es steht auch noch nicht alles zum Besten. Juhász stellte das Ergebnis der Umfrage in der letzten Sitzung des Marktgemeinderates vor und erntete für die Arbeit seines Instituts anerkennenden Beifall.

Horst Auer von der SPD befand, dass bei der überwiegenden Zufriedenheit der Hirschaider "wir uns schon auf die Schulter klopfen dürfen". Ob und wie die Bürger mit ihren Kommunalpolitikern einverstanden sind, wird sich bei der Wahl im Frühjahr 2020 zeigen. Ein dringender Handlungsbedarf, eine total falsche Weichenstellung oder gar ein Missstand ließ sich aus dem Umfrageergebnis jedenfalls nicht ableiten.

Auf Vorschlag von Albert Deml (ÖL) wird nun überlegt, mithilfe des Amtsblatts alle Hirschaider zu befragen, um auf breiterer Basis Erkenntnisse zu gewinnen. Die Studie hatte den Mangel, dass junge Hirschaider unterrepräsentiert waren, weil die häufig nicht mehr im Telefonbuch gelistet oder auch nicht so leicht wie ältere Bürger anzutreffen sind. Grundsätzlich ist es erfreulich, dass sich 46 Prozent der Hirschaider für Kommunalpolitik interessieren. 73 Prozent bewerten die Lebensqualität in der Marktgemeinde mit hervorragend oder sehr gut (männlich: 77, weiblich: 60 %). Die 51- bis 65-Jährigen stimmen dem zu 82 % zu, die 18- bis 35-jährigen zu 67 %.

Gute Infrastruktur

Ganze drei von 300 sind allerdings der Meinung, dass das Leben in Hirschaid "sehr schlecht" ist. Bis zu 46 % rühmen die gute Infrastruktur ihres Heimatortes, vor allem die zentrale Lage zwischen fränkischen Städten, die Einbettung in eine schöne Landschaft und Natur, den Autobahnanschluss und die Bahnstation, die vielen Einkaufsmöglichkeiten und die medizinische Versorgung, die Bildungs- und Freizeitangebote. Andererseits klagen bis zu 28 Prozent der Hirschaider über das hohe Verkehrsaufkommen und den damit verbundenen Lärm in der Gemeinde.

Dass es innerhalb Hirschaids keinen leistungsfähigen öffentlichen Personennahverkehr gibt, bedauern bis zu 19 Prozent (dieselben sind allerdings mit schuld daran, dass der "Gämaaflitzer" kaum frequentiert wird). Kurt Barthelmes (WG Regnitzau) machte auf diesen Widerspruch aufmerksam. Ein ähnliches Bild beim Individualverkehr: 80 Prozent benutzen den Personenwagen und kritisieren dann (zu 42 Prozent) einen Mangel an Parkplätzen. Dabei könnte man in Hirschaid vieles zu Fuß oder mit dem Rad erledigen, hieß es bei der Bewertung des Befragungsergebnisses. "Da sollten die Kritiker mal bei sich selbst anfangen", meinte Gerd Porzky (FW). Andererseits meinte Dritter Bürgermeister Hans Wichert (WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand), man könne den Bürgern nicht vorschreiben, ob sie zu Fuß, per Rad oder Auto ihr Ziel ansteuern. Schon seit über zwei Jahren dränge er den Bürgermeister, für zusätzliche Parkplätze in Realschulnähe zu sorgen.

Bis zu elf Prozent der Hirschaider klagen über hohe Mieten oder das ihrer Meinung nach zu geringe Angebot an Baugrundstücken. Daraus folgert Heinrich Dorn (CSU) den Auftrag, mehr Bauland auszuweisen. "Allein mit der Innenverdichtung lösen wir das Problem nicht", gab er zu bedenken. Dass die wirtschaftliche Lage Hirschaids besser oder zumindest gleich bleiben wird, davon sind 92 Prozent der Befragten überzeugt. 79 Prozent bewerten die Zukunftsaussichten gut bis sehr gut.

Traditionsbewussein

Und welche Eigenschaften schreiben die Hirschaider ihrer Marktgemeinde zu? Das Traditionsbewusstsein steht mit 82 Prozent an erster Stelle. Danach folgen diese Attribute: sauber (80 %), sicher (79%), gepflegt (78%), attraktiv (67 %), weltoffen (63 %), interessant (51 %) und modern (50 %). Dabei waren Mehrfachnennungen möglich. Weniger überzeugt waren die Befragten davon, dass Hirschaid dynamisch ist (45%) oder jung (42 %). Probleme mit Müll und Schmutz oder auch Kriminalität bewegen die Gemeindebürger übrigens auch nur geringfügig.

Mehr Parkplätze gewünscht

Die Attraktivität ihrer eigenen Wohngegend empfinden 74 % als gut und sehr gut, über das Umland sind sogar 78 % dieser Meinung. Was ist verbesserungsbedürftig? "Mittelmäßig" oder "ausreichend" stuften die Teilnehmer der Studie die Parkmöglichkeiten (42 %), die Bildungsangebote (47 %), die Gastronomie (48 %), den Arbeitsmarkt (49 %), die Freizeitangebote (49 %), kulturelle Veranstaltungen (52 %), den öffentlichen Nahverkehr (61 %) und den Wohnungsmarkt (82 %) ein.

Laut Juhász wird in vielen Gemeinden des Landkreises Bamberg der Nahverkehr als ausbaufähig eingestuft und die Wohnungssituation ist fast in der ganzen Republik angespannt. Bei Zufriedenheitsquoten von 74 bis 61 Prozent dürften sich Kinder, Familien, Pendler und Senioren in Hirschaid besonders wohlfühlen. Neubürger, Migranten, junge Erwachsene, Jugendliche und Menschen mit Behinderung (59 bis 31 Prozent) lassen jedoch Handlungsbedarf der Kommunalpolitiker durchschimmern.

Der Behindertenbeauftragte des Marktgemeinderats, Josef Haas (SPD), forderte sogleich Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen auf, sich hilfesuchend an ihn oder die Gemeinde zu wenden. Anders würden Probleme nicht erkannt. Fragezeichen wirft auch das Zusammenleben mit Migranten auf: Das bezeichnen 53 Prozent als gut und 47 Prozent als weniger gut. Die Integration der in Hirschaid lebenden Ausländer wird folgerichtig auch nur zu 51 Prozent als gelungen betrachtet. Der Rest ist da skeptisch. Das Ergebnis der Meinungsforschung wird sicher noch mehrfach im Marktgemeinderat zur Sprache kommen.