Der Neujahrsempfang und Medientag der oberfränkischen Arbeitgeberverbände stand ganz im Zeichen des Rückblicks und des Mutmachens. Die Akademie für Neue Medien e.V. hatte in Kooperation mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (VBW) am Donnerstagabend zu einem Livestream geladen, bei dem Thomas Kaeser, Vorsitzender der VBW-Bezirksgruppe Oberfranken, auf die enormen Herausforderungen hinwies, denen die Wirtschaft gegenübersteht: "Wir gehen davon aus, dass die bayerische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent geschrumpft ist."

Für 2021 erwarte die VBW wieder ein Wachstum des bayerischen Bruttoinlandsprodukts um drei Prozent, "aber damit wird das Vorkrisenniveau zum Jahresende 2021 immer noch nicht erreicht sein." Erholungseffekte seien zudem stark von der weiteren Entwicklung der pandemischen Lage abhängig. Kaeser forderte darüber hinaus, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken, um schnell aus der Krise herauszufinden und den tiefgreifenden Strukturwandel zu meistern.

Unternehmenssteuer und Arbeitskosten müssten auf ein international wettbewerbsfähiges Maß gesenkt werden, die Arbeitszeit flexibilisiert und der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben werden. "Wir müssen außerdem weiter mit aller Kraft auf Chancen setzen, die in Zukunftsthemen wie künstlicher Intelligenz, synthetischen Kraftstoffen oder Wasserstoff liegen." Die Wirtschaft müsse in unbekanntes Terrain aufbrechen und Hindernisse überwinden.

Aufgrund der "Parallelen zwischen dem Bergsteigen" und beruflichen Anforderungen war Alexander Huber als Gastredner geladen worden. Er ist Physiker und Extremkletterer, der in der Seilschaft mit seinem Bruder Thomas als die "Huber Buam" weltweit Berühmtheit erlangte.

Huber erklärte, wie er zum Klettern gekommen sei und was für ihn das Klettern ausmache. "Mein Vater sagte immer: Ein Bergsteiger ist nur gut, wenn er auch ein alter Bergsteiger wird." Der Berg sei kein Feind, den es zu bezwingen gelte. "Dem Berg ist es egal, ob ich ihn besteige. Es geht darum, was ich vom Berg mit nach Hause nehme." Dann zog er Parallelen zur Wirtschaft: "Man darf nicht blind losrennen, sondern muss sich das Ziel suchen und den Weg des geringsten Widerstands und gegebenenfalls Alternativen finden."

Irgendwann müsse man aber die Analyse beenden, losmarschieren und mit dem Steigen beginnen. "Das ist anstrengend, man muss vielleicht auch mal eine Querung machen oder sogar zurückgehen", aber je mehr Energie man einsetze, desto eindrucksvoller sei es, wenn man das Ziel erreiche. "Ich habe reich bebilderte Seiten im Buch meiner Erinnerungen, immer nur gemütlich geht nicht."

Doch nicht nur Wirtschaftsausblicke waren Inhalt des Neujahrsempfangs. Thomas Nagel, Studienleiter der Akademie für Neue Medien in Kulmbach, überreichte den Johann-Georg-August-Wirth-Preis in Form einer Urkunde und einem hochwertigen Präsent des Porzellanherstellers Rosenthal an Harald Baumer. "Unser Journalistenpreis ist benannt nach dem Hofer Schriftsteller und Politiker, der ein großer Kämpfer für die Pressefreiheit war und sich stets für die Unabhängigkeit einsetzte", erklärte Nagel. In diesem Jahr habe man eine Persönlichkeit würdigen wollen, die den Journalistennachwuchs stets motiviert und sich immer klar zur Kulmbacher Akademie bekannt habe.

Baumer begann als freier Mitarbeiter der Neumarkter Nachrichten und war ein Jahr später Herausgeber des "Neumarkter Jugendblattes". Nach einem Volontariat bei den Nürnberger Nachrichten wurde er Gerichtsreporter. Schon da war er bekannt für seine Praxisnähe in der Volontärs-Ausbildung. Bis heute berichtet Baumer als Hauptstadtkorrespondent aus Berlin. "Seit 25 Jahren unterrichtet Harald Baumer an der Akademie für neue Medien, ohne seine Expertise würde ein wichtiger Mosaikstein in unserer Ausbildung fehlen", so Nagel.