Große Plexiglasscheiben schirmen den Eingangsbereich von den Schreibtischen ab, hinter denen die Arzthelferinnen mit Mundschutz arbeiten. Schilder vor dem Eingang sagen: Erst klingeln, bevor man eintritt. Die Arztpraxis in der Pödeldorfer Straße von Dr. Christian Adam hat sich im Zuge der Corona-Pandemie stark verändert. "Wir nutzen mittlerweile unsere Wartezimmer nicht mehr, sondern die Patienten gehen nach der Anmeldung direkt ins Sprechzimmer", erklärt der Allgemeinmediziner.

Mit seinem Team von sieben Mitarbeiterinnen muss er nun einen anderen Arbeitsalltag stemmen. Die Maßgabe lautet: Termine nur nach telefonischer Absprache. Somit läuft wesentlich mehr am Telefon als früher. Je nach Krankheitsbild muss die Entscheidung fallen: Was ist dringend und muss vor Ort behandelt werden?

Wer Anzeichen für das Coronavirus zeigt, wird entsprechend weiterverwiesen. "Patienten, die Symptome einer sonstigen ansteckenden Erkältungskrankheit haben, behandeln wir in einer Infektionssprechstunde", erklärt Adam.

Am Ende der gewöhnlichen Sprechzeiten ist ein Zeitfenster eingerichtet, in welchem diese Personen empfangen werden. Das heißt: FFP2-Maske auf, Schutzkittel anziehen und mit Gesichtsvisier und Handschuhen arbeiten. Die Behandlungszimmer werden nach jedem Patienten gereinigt und gelüftet. "Ich habe mich bereits zur Faschingszeit um die Versorgung mit Schutzausrüstung gekümmert", erzählt Adam. Somit reiche die Ausrüstung vorerst.

"Die Akzeptanz ist hoch"

Die Umstellung habe auch gut geklappt: "Die Akzeptanz für die Sicherheitsmaßnahmen ist sehr hoch", hält der Allgemeinmediziner fest. Auch die Belegschaft habe hohes Verständnis für die neue Situation und sei motiviert. Allerdings habe sich die Dynamik verändert: Da einige Fachpraxen geschlossen haben, fallen nun auch mehr Fälle bei den Hausärzten an. Er muss es wissen: Schließlich ist Adam die Kontaktperson der Hausärzte in der Stadt zum Versorgungsarzt Doktor Thomas Fugmann in der Region Bamberg.

Anruf in Memmelsdorf. Fugmann, der seit 25 Jahren als Mediziner tätig ist, steht vor schwierigen Aufgaben: Auf der einen Seite ist er Teil einer Gemeinschaftspraxis. "Wir haben uns in zwei Teams von jeweils einem Arzt sowie drei bis vier Mitarbeiterinnen aufgeteilt, um im Falle einer Infektion mit dem anderen Team weiterarbeiten zu können", erklärt Fugmann.

Auch hier steckt das Personal in voller Montur. Und auch die Patienten bekommen einen Mund-Nase-Schutz für die Behandlung. Ebenso habe man sich entschieden, mit einer Infektionssprechstunde die Patientenströme zu trennen. Mit Blick auf das Personal und dessen Ansteckungsgefahr findet er: "Die Situation ist emotional belastender geworden."

Zwischen Verwaltung und Medizin

Auf der anderen Seite wurde er von Landrat Johann Kalb zum Versorgungsarzt ernannt. Während sich die Praxisabläufe stark verändert haben, muss Fugmann nun die Mittlerrolle zwischen Verwaltung, Politik und Medizin einnehmen und sich um die Verteilung von Schutzkleidung kümmern.

Zwar konnte er sich erstmal aus der Arbeit in der Praxis zurücknehmen. Nun steht jedoch das Telefon nicht mal am Ostersonntag still. Immerhin fallen 290 Praxen inklusive der psychotherapeutischen Praxen in sein Gebiet. Der Nachschub an Schutzausrüstung lasse allerdings zu wünschen übrig: Mal stimmt die Menge nicht, ein anderes Mal sei die Qualität nicht gegeben. Die Preise sind um das Vier- bis Fünffache in die Höhe geschnellt. Kurzum: "Es ist eine Mangelwirtschaft."

Auch Dr. Vasile Mituariu hat mit der Versorgungslage zu kämpfen. Der Königsfelder Hausarzt hat erst am Vortag eine Ladung Schutzausrüstung bekommen. Desinfektionsmittel und Schutzkittel habe er in Eigenregie bestellt. Gerade einmal 20 Masken liegen für die sieben Mitglieder der Praxis bereit. "Die Politik und die Verwaltung haben die Ärzte auf dem Land im Stich gelassen", kritisiert Mituariu den Mangel an Schutzkleidung. Normalerweise kommen 800 bis 900 Patienten pro Monat in die Praxis. Bis Mitte April waren es gerade einmal 200 Menschen.

Die offene Sprechstunde musste der telefonischen Voranmeldung weichen. "Rezepte geben wir inzwischen durchs Fenster aus", erzählt der Arzt. Chronisch erkrankte Menschen und Notfälle müssen weiterhin gut versorgt werden. Aus seiner Sicht seien die Patienten sehr diszipliniert und hielten sich an die neuen Abläufe.

"Eine Mitarbeiterin war heute den ganzen Tag allein damit beschäftigt, Schutzmaterial zu beschaffen. Leider komplett erfolglos", beschreibt Dr. Thomas Väth die Lage in der Gemeinschaftspraxis in der Wunderburg. Der aktuelle Stand an FFP2-Masken reiche nicht aus, um Infektionspatienten zu empfangen. "Der Mangel an Schutzausrüstungen blockiert uns total." Väth sitzt deshalb zurzeit vor allem am Telefon, und wo möglich nutzt er auch Videoübertragungen, um Patienten zu betreuen. Die Arbeit sei nicht weniger geworden, aber von der Art anders. Vorsorgeuntersuchungen fallen aus. Und es könnte einen Rückstau an Behandlung geben, falls Menschen sich aus Angst erst später melden und Erkrankungen dadurch schwerwiegender ausfallen.

Eine Gruppe hat er besonders im Blick: die Menschen in Pflegeheimen. "Wenn sich ein Pflegebedürftiger infiziert, muss er isoliert auf seinem Zimmer bleiben. Das ist eine bedrückende Situation." Gerade dort mangele es noch an Technik, um per Videoübertragung zum Beispiel Ausschläge zu beurteilen. Vielleicht gebe es jetzt durch die Krise wenigstens einen Innovationsschub, so dass Ferndiagnosen per Video gängiger werden. Allerdings bleibt er insgesamt gesehen skeptisch, wenn die Schutzkleidung weiter fehlt.

Bis Ende Juni?

Alles in allem ist Versorgungsarzt Fugmann "vorsichtig optimistisch". Ambulante Versorgung durch die Hausärzte und stationärer Bereich in Kliniken arbeiteten gut zusammen. So wurden frühzeitig neue Anschaffungen für Geräte getätigt. Dennoch ruft er die Allgemeinmediziner auf, konsequent darauf zu achten, die direkten Kontakte zu Patienten so minimal wie möglich zu halten, um den Schutz für alle Beteiligten in der Praxis zu gewährleisten. Nach seiner Einschätzung sind die Maßnahmen noch mindestens bis Ende Juni notwendig.