An Natur herrscht um Carola und Heinz Ellers Mühle im idyllischen Itzgrund nun gerade kein Mangel. Ausgebaut zur Galerie, bietet die "Kunstmühle" einen reizvollen Kontrast zwischen alter, noch handfester Technik und den Exponaten wechselnder Ausstellungen. Die jüngste thematisiert - auch - die Verschränkungen von Natur und Kultur, von scheinbar paradiesischer Unberührtheit und Zerstörung.

"Nur Natur?" heißt die Ausstellung mit dem neckisch und durchaus sinnvoll gesetzten Fragezeichen. Eigentlich sollte sie schon im späten Frühjahr stattfinden, aber ... ist alles sattsam bekannt.

Am Freitag nun wurde sie eröffnet, als Auftaktveranstaltung zu den 23. Ateliertagen des BBK, die 32 künstlerische Positionen und Arbeitsweisen vorführen: Vier Mitglieder des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Oberfranken zeigen thematisch verwandte Werke (bis 25. Oktober), jedoch in Material und Technik von kaum zu übertreffender Diversität.

Die Natur im Fokus

Formiert sich in der Beschäftigung mit der Natur so etwas wie ein künstlerischer Trend? Beeinflusst die eindrucksvolle Präsenz umweltpolitischer Fragen in der nicht nur medialen Öffentlichkeit die bildende Kunst? Man wird sehen, wie sich das Sujet weiterentwickeln wird. Mag es thematische Eintagsfliege sein, mag es auch angesichts der Corona-Lage zu einem verstärkten Nachsinnen über die Beziehungen zwischen Mensch und Natur führen - Prognosen eignet ein frühes Verfallsdatum.

Mit eigener Aura

Scheinbar unbeschädigt offenbaren sich die Motive Cornelia Morschs. Ihre Serien von Quitten heben Objekte aus der Banalität heraus, verleihen ihnen eine eigene Aura. Oder ihr "offener" Granatapfel in feinziselierter Technik mutet im besten Sinne altväterlich an. Hier waltet großes handwerkliches Geschick im Gebrauch von Farbstiften und Graphit, eine bewundernswerte Geduld beim Ausarbeiten ihrer detailreichen Zeichnungen. Abstrakter wirkt dann eine blaue Serie mit Gräsern und anderen Pflanzen, und surrealistisch komponiert sie etwa Fische oder Schneckenhäuser zu Luft- und Wasserschiffen, zu Türmen und Fabelwesen. Das erinnert in manchem an den magischen Realismus eines Caspar Walter Rauh oder an Stephan Klenner-Otto, der ähnlich akribisch arbeitet.

Gerhard Schlötzer, umtriebig als Vorsitzender des BBK in Oberfranken, zeigt meist großformatige Werke. Er fotografierte Bäume der Region, den Altenburgberg oder die Ruine Rotenhan bei Ebern für seine Serie "Baum im Raum", dekonstruierte, zerlegte seine Fotos und collagierte sie zu neuen Gebilden mit zum Teil windschiefer Perspektive, problematisiert dadurch die menschliche Wahrnehmung, die "geistige Arbeit sowohl beim Anschauen und Erinnern von Naturerlebnissen als auch beim Betrachten der zusammengesetzten Bildwerke", wie der Kunsthistoriker Matthias Liebel in seiner Eröffnungsrede sagte.

Man könnte die Natur-Fragmente auch als Symbole einer gefährdeten, beschädigten Umwelt interpretieren, als eine längst nicht mehr vorhandene "Natürlichkeit".

Natürlich sind die Textilarbeiten Claudia Hölzels keineswegs. Sie lässt sich von Pflanzenfarben und -strukturen anregen zu abstrahierenden Kompositionen aus Stoffstreifen. Sie sind benamst mit "Wildwuchs", "Waldspaziergang" 1-11 oder "Fichtenblüte". Naturerlebnisse sind hier umgeformt zu dezenten, angenehm ruhigen Farbfolgen wie in einem Spektrum, das nur Grün, Braun und Rot umfasst.

Im oberen Teil der Mühle hängen die vielleicht ausgefuchstesten Werke dieser Ausstellung. Nur Natur ist hier nämlich nichts. Peter Schoppel fügt in seine aufgerasterten, geometrisch strengen Kaltnadelradierungen "tales from paradise" florale Motive ein, die einmal sogar an Darstellungen des Corona-Virus erinnern.

Der Künstler als unbewusster Visionär, der so die Ambivalenz von geformter Künstlichkeit und anarchischer Natur thematisiert. So wie Kunst und Mühle sich wieder einmal fruchtbar ergänzen.

Pendler für die Kunst

Thomas Eller, Künstler und international wirkender Kurator, wurde von der Pandemie auch ausgegrenzt. Eigentlich sollte er in China ein Kunstzentrum aufbauen, eigentlich ...

Nun pendelt er zwischen Berlin und dem Itzgrund. Von Peking nach Mürsbach, das muss ein Schock sein, wenn für Kunst auch in der heimatlichen Mühle gesorgt ist.