Wer im eigenen Haus oder im eigenen Dorf alt werden möchte, der kann mit frühzeitiger Planung und Kreativität viel erreichen. Das lernten die Teilnehmer am Seminar "Zukunft Wohnen - Wohnen im Alter", das die Freie Wählergemeinschaft Oberaurach (FWG) in Kirchaich über das "Bildungswerk für Kommunalpolitik Bayern" organisierte. Über 30 Teilnehmer informierten sich beim Referenten Albrecht G. Walther und nutzten die Gelegenheit zur Diskussion.

Die FWG-Vorsitzende Sabine Weinbeer hatte das Seminar nach Oberaurach geholt, weil sie den Architekten Walther schon länger kennt und weiß, dass er dieses Thema zu seinem Schwerpunkt gemacht hat. "Spätestens wer mit 55 sein Haus renoviert, sollte dabei vorausdenken, was er braucht, wenn er sein Haus auch mit 80 noch bewohnen möchte", riet sie den Anwesenden. Umfassende Beratung dazu bekomme man im Landkreis Haßberge vom Pflegestützpunkt und den ehrenamtlichen Wohnberatern, sagte sie.

So zeigte der Referent zunächst auf, wie schon einfache Maßnahmen in einer Wohnung gefährliche Stolperfallen beseitigen. Vieles sei mit wenig finanziellem Aufwand möglich, wenn ohnehin Renovierungen anstehen. Wenn es um Bäder geht, seien viele Bauhandwerker bereits sensibilisiert für bodengleiche Duschen oder genügend Platz neben der Toilette, damit später Bügel angebracht werden können, die das Aufstehen erleichtern. Viele technische Assistenzsysteme gebe es außerdem, so dass mit mobilen Pflegediensten lange das Leben in den eigenen vier Wänden möglich sei, so Albrecht G. Walther.

Ein großes Problem mit zunehmendem Alter sei jedoch die Einsamkeit. Deshalb dächten immer mehr Menschen darüber nach, neue Formen des Zusammenlebens auszuprobieren.

Modelle für das Wohnen

Walther stellte verschiedene Modelle vor: die Wohngemeinschaft Sankt Martha in Knetzgau oder Bauprojekte der Joseph-Stiftung Bamberg. Oftmals hätten schon Kommunen private Initiativen unterstützt, die geeignete Wohnbauflächen suchten, um etwa genossenschaftlich eine Gemeinschaftswohnanlage zu erstellen, sagte er.

Bedarf für Kurzzeitpflege

Eines wurde im Laufe der Diskussion deutlich: Wenn man sich für eine alternative Wohnform im Alter entscheidet, bedeutet das in der Regel, dass man das bisherige Eigenheim verkaufen muss, um sich dort einzukaufen. "Schön wäre es, wenn man mit der nächsten Generation unter einem Dach leben könnte und sich gegenseitig unterstützt", stellte eine der Teilnehmerinnen fest.

Externe Hilfe gibt es in Oberaurach sowohl durch mobile Pflegedienste als auch durch das Bürgernetzwerk "Bürger helfen Bürgern". Was jedoch aktuell schmerzlich fehle, und nicht nur im Landkreis Haßberge, das seien Kurzzeitpflegeplätze, weil sie den Einrichtungen hohe Defizite bescheren, sagte Sabine Weinbeer. Hier müsse dringend das Gesetz nachgebessert werden. ft