Zum holprigen Corona-Impfstart in Oberfranken am 27. Dezember wird uns geschrieben:

Die Ablehnung des Impfstoffes durch die Landräte Oberfrankens ist sicher in deren Vorstellung entstanden, eine größtmögliche Sicherheit von 100 Prozent zu gewährleisten. Sieht man sich die Vorgaben der Hersteller-Firma Biontech an, dann wird eine Wirksamkeit von "nur" 95 Prozent angegeben, also bereits weniger als  100 Prozent. Ein demnächst zur Verfügung stehender , billigerer und besser handhabbarer Impfstoff soll um die 50 Prozent Wirksamkeit besitzen und der Russische 25 bis 27 Prozent. Es wird also, wie auch im übrigen Leben, mit der Impfung keine absolute und 100-prozentige Sicherheit geben.

Aber alle diese Impfstoffe haben das Potenzial, der Corona-Pandemie Einhalt zu gebieten - jedenfalls weitaus besser als ohne Impfung. Biontech gibt für ihr Produkt eine Lagerungstemperatur von minus 70°C an für die Langlagerung. Vor Gebrauch werden die Chargen dann aufgetaut und sind bei 2 bis 8°C fünf Tage haltbar, bevor sie bei Raumtemperatur verimpft werden.

Diese 2 bis 8°C dürften bei den derzeitigen Außentemperaturen nicht schwer einzuhalten sein und selbst wenn kurzfristig eine geringfügige Temperaturerhöhung eintrat, blieb doch die Wirksamkeit zunächst weitgehend erhalten. In diesem Sinn hat offenbar die Firma Biontech die Anwendbarkeit der Impfdosen bejaht, aber man wollte eine 100-prozentige Garantie vermitteln. Und auf die Suggestiv-Frage, ob man mit diesem zuvor von den Landräten als ungeeignet deklarierten Impfstoff geimpft werden möchte, hat dann auch jeder Zweite dies verneint.

Das grenzt im Ergebnis an Verschwendung. Offenbar haben wir genug davon (?), und so wurde bereits am nächsten Tag neuer Impfstoff genutzt. Es offenbart sich für mich auch ein typischer Unterschied zwischen wissenschaftlicher und politischer Beurteilung. Während der Politiker, der Verbraucher und die Presse eindeutige Urteile (gut/schlecht, schuldig/unschuldig, 0/1) bevorzugen, muss ein Wissenschaftler manche Zwischentöne und -zustände berücksichtigen.

Die Schilderung der vielen Möglichkeiten und Bedingungen verwirrt den Verbraucher, und die Presse versucht oft noch, durch die Überbetonung einzelner unterschiedlicher Aspekte wissenschaftliche Aussagen infrage zu stellen. So muss zu dem gesamten Vorgang vor allem bemerkt werden, dass es keine absolute Sicherheit gibt.

Ditmar Kühne

Kulmbach