von unserem Mitarbeiter rainher glissnik

Kronach — Rund 100 Menschen kamen auf dem Kronacher Friedhof zusammen, um am 1964 vom Kronacher Stadtrat aufgestellten Gedenkstein der von den Nationalsozialisten ermordeten 16 Kronacher Juden zu gedenken und an die Reichspogromnacht 1938 zu erinnern.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 entfernten die Nationalsozialisten das Denkmal des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy vor dem Leipziger Gewandhaus, erinnerte Dekanin Dorothea Richter. Der damalige Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler erklärte daraufhin unter Protest seinen Rücktritt. "Der von Mendelssohn vertonte Psalm 121 verbindet uns mit den Juden", unterstrich Dekanin Richter.
"Wir erinnern jedes Jahr an die Reichspogromnacht 1938", erläuterte Dekanin Richter. "2014 tun wir es nicht in der Synagoge, sondern hier auf dem Friedhof am Grabstein mit den Namen der jüdischen Familien aus Kronach. Wir wollen die Menschen würdigen, die Opfer des Nationalsozialismus waren und auch derer gedenken, die versucht haben, sich dem Terror entgegen zu stellen. Leider ist das auch heute eine politische Aufgabe ersten Ranges. Gott möge uns offene Augen schenken für die Notwendigkeiten in unserer Zeit, wo wir mit seiner Hilfe handeln müssen."
Die Vorsitzende des Aktionskreises Kronacher Synagoge Odette Eisenträger-Sarter erläuterte, dass die Gedenkfeier zum 50. Jubiläum des Gedenksteins des Kronacher Stadtrats auf dem Friedhof stattfand. Der Gedenkstein wurde 1964 vom damaligen Kronacher Stadtrat unter Bürgermeister Konrad Popp (SPD) in Erinnerung an die deportierten jüdischen Mitbürger aus Kronach errichtet. Der Stein ist aus schwedischem Marmor. Aktionskreis-Mitglied Christian Porzelt - er studierte Geschichte - habe bei der Inschrift Ungenauigkeiten festgestellt. So fehlten Namen von ermordeten Juden oder es seien Namen von Juden eingraviert, die Kronach schon vorher verlassen hatten. Diese Ungereimtheiten gelte es zu bereinigen.
Gemeinsam mit der Stadt Kronach sei eine Lösung gefunden worden. "Der Stein wird in Kürze auf der einen Seite abgeschliffen", erklärte Odette Eisenträger-Sarter. Danach würden die Namen ergänzt. Aufgrund der Bepflanzung sei eine Gedenkschrift nur schlecht zu erkennen. Auch dies soll verändert werden. Es dürfe kein Vergessen der Verfolgung der jüdischen Mitbürger in der NS-Zeit und keinen Fanatismus im Denken und Tun unserer Tage geben, wünschte sich Regionaldekan Thomas Teuchgräber.