Erzbischof Ludwig Schick hat die Gläubigen dazu aufgerufen, sich auf Taufe und Sendung zu besinnen. "Wenn wir den Namen ,Christen' verdienen wollen, müssen wir dementsprechend leben", sagte Schick am Samstag in Gremsdorf in einem Gottesdienst beim Tag der Räte. Dazu gehörten Umkehr und Neubeginn, die entscheidenden Koordinaten für ein christliches Leben. Missbrauchs- und Finanzskandale: Umkehr und Neubeginn seien gerade in der aktuellen Schwellensituation wichtig, in der sich die Kirche befinde, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Erzbistum. "Missbrauchs- und Finanzskandale bei uns und weltweit haben die Kirche in eine Krise geführt." Nun sei es an der Zeit, sich nicht mit gegenseitigen Vorwürfen zu zerfleischen oder in Klagen und Selbstmitleid zu versinken, sondern als Christen mit dieser Schuld und dem Versagen in fünferlei Weise umzugehen, so Schick. Fünf Punkte, mit der Schuld umzugehen: "Erstens müssen wir uns in aller Ehrlichkeit besinnen und der Wahrheit auf den Grund gehen." Zweitens müsse das, was geschehen ist, in Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit bereut werden. "Drittens sollen die, die Schuld auf sich geladen haben, dazu stehen und es öffentlich machen." Viertens müsse eine Wiedergutmachung - soweit überhaupt möglich - geleistet werden: Vom Einzelnen wie auch von der Gemeinschaft, in der es geschehen ist. "Fünftens muss der feste Vorsatz gefasst, öffentlich bekundet und umgesetzt werden, Missbrauch mit allen Mitteln zu verhindern. Dafür sollten auch systemische Gefahrenquellen ausgeschlossen werden." Was ist der Tag der Räte? Der Tag der Räte ist eine Veranstaltung des Diözesanrates. Sie findet in unregelmäßigen Abständen statt, um Mitglieder der Räte und Interessierte über aktuelle Entwicklungen im Erzbistum zu informieren und die Möglichkeit zum Austausch zu geben.

Nach der Eucharistiefeier sprach Prof. Sabine Bieberstein von der Katholischen Universität Eichstätt über das Thema "50 Jahre Pfarrgemeinderat. Biblische Vergewisserungen". Sie betonte, das Neue Testament ermutige die Kirche zu transparenten, partizipativen und demokratischen Strukturen. Eine Unterteilung zwischen Laien und Klerikern habe es in der Anfangszeit der Christen nicht gegeben. Modelle für Gemeindestrukturen: Für Gemeindestrukturen gebe es im Neuen Testament verschiedene Modelle: zum Beispiel einen Ältestenrat, einen Leiter als Aufseher oder auch ein Gremium von Witwen. Von dieser Vielfältigkeit solle sich die Kirche heute inspirieren lassen. Größere Seelsorgebereiche: Mit Blick auf den derzeit laufenden Strukturprozess im Bistum stellte Bieberstein in Frage, ob größere Seelsorgebereiche für das Engagement der Gläubigen vor Ort förderlich seien. "Die Kirche steht und fällt mit glaubwürdigen Frauen und Männern, die die frohe Botschaft im Alltag zu leben versuchen und etwas in Kirche und Gesellschaft in Bewegung bringen wollen." Podiumsdiskussion: In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Thesen vertieft. Diözesanratsvorsitzender Günter Heß warnte davor, dass beim Strukturprozess etwas zusammenwachsen müsse, was nicht zusammengehöre. Es bestehe die Gefahr einer Entfremdung von der Amtskirche.

Die stellvertretende Diözesanratsvorsitzende Astrid Schubert appellierte an Frauen, sich mehr in die Kirche einzubringen und ihre Beteiligung auch einzufordern. Die stellvertretende Leiterin des Jugendamtes im Erzbistum, Susanne Krogull, nannte als positives Beispiel die paritätische Besetzung der Führungsgremien bei den katholischen Jugendverbänden.

Erzbischof Schick betonte, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass mehr Frauen Aufgaben in der Bistumsleitung übernehmen. red