Uschi Prawitz

Ein 33-jähriger Mann aus Kulmbach musste sich am Freitagvormittag wegen des Vorwurfs einer vorsätzlichen Körperverletzung vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten.

Im August 2021 soll der Mann gegen 1.30 Uhr in der Oberen Stadt einen Kontrahenten mit einem Faustschlag ins Gesicht verletzt haben. Außerdem soll er noch vier Mal versucht haben, einen weiteren Schlag anzusetzen - so jedenfalls die Anklage.

Der Beschuldigte selbst bestritt gar nicht, den Geschädigten geschlagen und ihm so eine blutende Verletzung an Nase und Lippe zugefügt zu haben. Jedoch sagte er aus, er sei vom Geschädigten arg provoziert worden.

"Wir waren zum Rauchen vor die Kneipe gegangen", berichtete der Angeklagte. Dort sei der Geschädigte - offensichtlich stark angetrunken - "ständig um mich herumgewuselt, hat mich mit Schimpfworten bedacht und ist plötzlich auf mich zugegangen". Da habe er sich bedroht gefühlt und eben schneller zugeschlagen.

Der Geschädigte sagte in dem Verfahren aus, dass er keinesfalls auf einen Kampf ausgewesen sei. Er habe zwar einiges getrunken gehabt, sei aber "gut drauf gewesen".

Eine vertrackte Geschichte

Im weiteren Verlauf entstand zunehmend das Bild einer vertrackten Geschichte, in die auch der Bruder des Angeklagten involviert gewesen sein soll. Der besagte Bruder habe den Geschädigten von früher her gekannt und sich mit ihm bereits eine verbale Auseinandersetzung geliefert, als der Angeklagte auf den Platz vor der Kneipe getreten sei. Wie der Verlauf der Geschehnisse sich dann tatsächlich abgespielt hatte, vermochten die Vorsitzende Richterin Sieglinde Tettmann, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger des Angeklagten auch nach den ersten Zeugenbefragungen nicht eindeutig zu klären. Fest stand für das Gericht jedenfalls, dass der Angeklagte tatsächlich zugeschlagen hatte, was dieser auch einräumte.

Nach den Zeugenaussagen musste auch stark davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte in der Tat vom Geschädigten auf irgendeine Weise provoziert worden war. "Dennoch ist es keine Lösung, einfach zuzuschlagen", erklärte Richterin Tettmann.

Verfahren vorläufig eingestellt

In Einvernehmen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichtete die Vorsitzende auf die weitere Zeugenvernehmung und stellte das Verfahren stattdessen gegen die Auflage eines Bußgeldes in Höhe von 1020 Euro vorläufig ein.

Auf Wunsch des Beklagten soll das Bußgeld der Jugendwerkstatt der Kulmbacher Geschwister-Gummi-Stiftung zugutekommen.